Konzert für Dresden

 

Dresdner Philharmonie und Sergio Azzolini begeistern in der Schloßkapelle

Werden Konzerte »für Dresden« betitelt, ist dies nicht immer glücklich. So war der Kreuzchor in Dezember zum zweiten Mal im Fußballstadion des Dynamo-Vereines zu Gast – mag hingehen, wer will, schließlich ist es eine Geschmackssache, doch ob es dem Chor gerecht wird, darf man bezweifeln…

»Für Dresden« übertitelte am Freitag und Sonnabend aber auch die Dresdner Philharmonie ihr Konzert in der Schloßkirche, es bezog sich hier jedoch auf Werke, welche für die Dresdner Hofkapelle geschrieben wurden bzw. für ein Orchester wie das Dresdner, in dem sich französische und italienische Meisterschaft verbanden. Die Hofkapelle und ihre Musiker – Pisendel, Quantz, Hasse und andere – sammelten weitere Stücke in Abschriften, die in der königlichen Bibliothek eingelagert wurden und uns so erhalten geblieben sind. Daß die vermischten Stile eine Bereicherung waren, hat die Geschichte de facto bewiesen, doch noch viel bereichernder ist es, dies zu erleben.

Sergio Azzolini war dafür wieder einmal nach Dresden gekommen und leitete das Konzert – vom Fagott aus! Doch stand er nicht vor, sondern mitten zwischen den Philharmonikern – leiten heißt in diesem Fall kooperieren. Erster Kooperationspartner war Ralf-Carsten Brömsel.

Die Werke aus dem 18. Jahrhundert sind für uns heute nicht nur farbenreich und lebendig, sie brauchen auch ein Feuer der Leidenschaft. Dieses wußten die Musiker gekonnt zu entzünden. Immer wieder wechselten nicht nur die Charakteristika der Sätze, sondern ebenso die Solisten – wann kann man schon einmal das Baßinstrument Fagott so schön singen hören? Aber auch die Oboisten und Violinisten hatten glänzende Auftritte.

Johann Friedrich Faschs Ouvertüre C-Dur birgt noch eine Ouvertüre in sich, an die sich weitere Tanzsätze anschließen. Schon hier waren Fagott und Oboe im Duett und das Fagott keineswegs »unterlegen« darin, einen italienischen Wirbel zu entfachen.

Das Doppelkonzert für Violine, Fagott, Streicher und Basso continuo c-Moll (ehemals Georg Friedrich Händel zugeschrieben, vermutlich aber von Antonín Reichenauer) folgt einer besonders sanglichen Linie, die sich in den Motiven, mit denen sich die beiden Solisten zunächst vorstellen, entfalten kann. Mit dem Hinzutreten der Tuttistreicher entfachte die Philharmonie einen fast schon vivaldi’schen Frühling.

Jener – Vivaldi – war mit gleich zwei Werken vertreten. In seinem Fagottkonzert RV 482 konnte sich Sergio Azzolini nicht enthalten, auch einmal füßestampfend aufzutreten – wohlgemerkt immer im Geiste der Musik und in Verbindung mit den Philharmonikern. Der Solist verzückte das Publikum mit seiner Gesanglichkeit. Vivaldis – zumindest hierzulande – vielleicht am häufigsten gespieltes Werk, das Concerto RV 577 »Per l’orchestra di Dresda« sollte den feurigen Abend beschließen, zuvor jedoch zündeten die Musiker mit Georg Philipp Telemanns Concerto D-Dur TWV 53:D4 eine Jubiläumskerze an: 2017 ist ein Telemann-Gedenkjahr (250. Todestag). Betörend war die Leichtigkeit des Vortrages, dessen tänzerische Elemente an Schneeflockenwirbel erinnerten.

Bei so viel »Entzündlichkeit« gab es nicht nur Applaus, sondern auch Füßetrampeln – was etwas heißen will, denn man ist es an dieser Stelle bisher noch nicht gewohnt!

8. Januar 2017, Wolfram Quellmalz

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