Mit geschärften Akzenten

Festliches Neujahrskonzert des Collegiums 1704 in der Annenkirche

Auch wenn manches Werk in der Vergangenheit der Musikbrücke Prag – Dresden schon einmal auf dem Programm gestanden hat, vollbringen es Chor und Orchester der beiden Collegia 1704 immer wieder, Musik neu zu verlebendigen. Um manches haben sich die Prager Musiker besonders bemüht, wie Jan Dismas Zelenkas Vertonungen der »Litaniae de Sancto Xaverio«. Gleich drei Mal (1723, 1727 und 1729) hat Zelenka den Text der Litaniae für Andachten zu Ehren des Heiligen Franz Xaver vertont. Als ZWV 156 liegt die »Litaniae de Sancto Xaverio« bereits auf einer preisgekrönten CD vor, am Neujahrstag wurde in der Annenkirche nun die »Litaniae Xaverianae« ZWV 154 aufgeführt.

Für dieses Konzert hatte Václav Luks einige Akzente geschärft, dabei aber mehr Versinnbildlichung geschaffen, als die Texte teilweise enthalten. Die Fulimanz, mit der das Collegium Zelenkas eingangs gespieltes »Dixit Dominus« (ZWV 68) begann, war mitreißend, aber schlicht zu gewaltig stürmisch. Schneidend scharf traten Akzente hervor, fegte die Musik (auch des Chores) laut und schnell durch den Raum, so daß sich Textpassagen um »zerschmettern« und »zerschlagene Häupter« kaum abhoben.

Den Sturm und Drang mäßigten die Musiker in der Folge jedoch. Wie gewohnt bildeten die Sänger – Chor ebenso wie Solisten – den musikalischen Kern des Ensembles. So hatte Aneta Petrasová schon mit ihrem Solo »Gloria Patri…« berührt. Sie trug als Solistin sowie im Trio mit Tenor und Baß später auch wesentlich zur Litaniae bei.

Zwischen die beiden Zelenka-Werke hatte Václav Luks Antonio Vivaldis »Nisi Dominus« (RV 608) eingeschoben. Erneut war nun ein Solist zu Gast, der mit Tiefe und Ausdruck beeindruckte, schlicht umwerfend war. Lucile Richardot (auch an der CD-Aufnahme beteiligt) wird in Programmen als Mezzosopranistin, Altistin oder Kontra-Alt geführt. Tatsächlich verfügt sie über einen beträchtlichen Stimmumfang, der in tieferen Lagen nicht an Farbigkeit einbüßt, im Gegenteil noch an Kraft und Geschmeidigkeit gewinnt und mühelos neben Altisten oder Countertenören brillieren könnte. Vivaldis Psalmvertonung beflügelte Lucile Richardot mit beeindruckender Eindringlichkeit, Mühelosigkeit und Eleganz – Chapeau! Bereichert wurde die Aufführung außerdem von den Musikern des Collegiums, die als Gesangspartner (Konzertmeisterin Helena Zemanová im Duett mit der Sängerin sowie als Zweitstimme) ebenso bestachen wie mit einer sinnlich-pulsierenden Continuobegleitung. Allein schon der wiegende Rhythmus des »Cum dederit« war betörend.

Für Zelenkas abschließende »Litaniae Xaverianae« wählte Václav Luks mit weicheren Einsätzen einen auch insgesamt geschmeidigeren Klang. Hier nun sorgten die Posaunen (Hans-Martin Rux, Aline Théry) für besonders brillante, festliche Akzente, während Tenor Samir Bouadjadja in der Anrufung »Pater de coelis« mit erzählerischer und gestalterischer Qualität überzeugte.

CD-Tip: Jan Dismas Zelenka Missa – Divi Xaverii ZWV 12 und Litaniae de Sancto Xaverio ZWV 156, Collegium Vocale 1704 und Collegium 1704, Hana Blažiková (Sopran), Lucile Richardot und Kamila Mazalová (Alt), Václav Čižek (Tenor), Stephan MacLeod (Baß), Václav Luks (Ltg.)

2. Januar 2017, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s