Beeindruckende Solisten und Chöre

Adventskonzert in der Frauenkirche

Zum traditionellen Adventskonzert des ZDF mit der Sächsischen Staatskapelle gehören nicht nur namhafte Sänger und Dirigenten, sondern auch Chöre, welche das musikalische Bild der Stadt und der Region mit prägen. Zwei waren nun erneut zu erleben: der fabelhafte Dresdner Kammerchor, welcher in Teilen Felix Mendelssohn Bartholdys »Lobgesang« und mit Franz Schuberts »Magnificat« eindrucksvoll in Erscheinung trat, sowie der Dresdner Kreuzchor, dem drei solistische Stücke vorbehalten waren. Im 800. Jahr seines Bestehens präsentierte er sich unter der Leitung des Kreuzkantors Roderich Kreile vielseitig und prächtig, beeindruckte mit einem schlichten, zu Herzen gehenden »Übers Gebirg Maria ging« von Johann Eccard ebenso wie mit dem vielstimmigen »Ave Maria« Anton Bruckners, dem – leider mit Zwischenapplaus – ein glänzendes und festliches »In dulci jubilo« folgte.

Überhaupt: trotz Festkonzert und ZDF – kann es im Publikum nicht etwas mehr innere Andacht sein statt inszenierter? Zumindest die Unterbrechung der beiden Teile aus Mozarts »Exultate jubilate« hätte Dirigent Andrés Orozco-Estrada jedenfalls unbedingt verhindern müssen – die Mittel dazu hatte er schließlich in der Hand. Das ganze Werk ist auch auf der aktuellen CD Regula Mühlemanns zu finden, und mit dem Eingangs- und Schlußstück bewies die Schweizerin, daß sie »ihren« Mozart derzeit beherrscht. Klar, hell, beinahe mädchenhaft noch ist ihr Sopran, von großer Leichtigkeit geprägt, was ebenso Schuberts »Magnificat« zugute kam (dort im Quartett mit Solisten der Staatsoper). Dabei verlieh sie ihrem Gesang ein sanftes Strahlen ohne jede Schärfe, hat ihre Rolle gut »drauf«, daß Gelegenheit bleibt, manchmal schelmisch mit den Augen zu blitzen.

Sonya Yoncheva füllte ihren Part dagegen dramatischer aus, setzte deutlich mehr technische und künstlerische Mittel ein, Volumen und Klangfülle, reiches Vibrato. Dabei ließ sie aber gerade jene Leichtigkeit vermissen, die Mendelssohns »Lobgesang« innewohnt. Händels Glanzarie »Lascia ch’io pianga« gestaltete sie facettenreich und steigerte den dramatischen Verlauf, etwa in der betonten Wiederholung des »ch’io«. Prächtig war dies allemal, geriet aber auch ein wenig überladen – was allerdings zum Teil mit dem Charakter des Festkonzertes zusammenhängt, bei dem in kurzen Ausschnitten sofort die Stimmung da sein muß, die sich in der Oper entwickeln kann.

Andrés Orozco-Estrada bevorzugte zwar meist straffe Tempi, konnte sich darauf verlassen, daß sich die einzelnen Instrumentengruppen dabei aber entfalten konnten, eine gediegene Streicherbasis sicheren Rückhalt bot. Gerade mit einem weiteren Ausschnitt aus Felix Mendelssohn Bartholdys Werk, dem Finale »Ein feste Burg ist unser Gott« der fünften Sinfonie, bekamen Rozália Szábo (Flöte) und ihre Kollegen »an Holz und Blech« reichlich Gelegenheit, Mendelssohns Gesang Flügel zu verleihen.

Standesgemäß feierlich und mit allen Beteiligten endete das Konzert mit »Macht hoch die Tür« .

27. November 2016, Wolfram Quellmalz

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