Trios als Charakterstudien

Meisterkonzerte starten in neue Spielzeit

Am Donnerstag begann auf Schloß Albrechtsberg die neue Spielzeit der vom Moritzburg Festival veranstalteten Meisterkonzerte. Kai Vogler (Violine), Peter Bruns (Violoncello) und Frank-Immo Zircher (Klavier) spielten Werke von Komponisten, welche die Wiener Klassik geprägt haben: Haydn, Beethoven und Brahms, wobei Beethoven mit dem (ge)wichtigsten Werk ans Ende gestellt worden war.

Mit Joseph Haydns Trio A-Dur (Hob. XV:9) begann der Abend vermeintlich »leicht«. Freundlich und unterhaltsam ist es in der Tat, verträgt aber Fadheit oder aufgesetzte Zier keineswegs. Vielmehr verlangt »Papa Haydn« ausgewogene Spielkultur, sonst wird er schnell langweilig. Frank-Immo Zircher, Kai Vogler und Peter Bruns ließen eine solche aber nicht aufkommen. Vom Piano aus »befeuert«, schlossen sie in das Trio die freundliche Behäbigkeit des Salons ebenso ein wie die Lichtflut, die durch die Fenster in denselben dringt.

Während die beiden Streichinstrumente zunächst als Begleiter des Klaviers auftraten, rückten die Spieler in Johannes Brahms‘ drittem Klaviertrio deutlich enger zusammen. Brahms strömt, flutet, kostet Ideen sanguinisch aus. Immer wieder lösen sich die Stimmen voneinander, setzen Akzente, wie Peter Bruns sonor singendes Cello oder das Duo mit der Violine im ersten Satz, das nun vom Klavier begleitet wird. Die drei Musiker konnten mit gestalterischer Raffinesse Tiefen ebenso ausloten wie Glanzpunkte setzen. Atmosphärisch dicht geriet der zweite Satz, in dem Mondschatten greifbar zu werden schienen. Aus diesen Sphären kehrte das Trio mit dem Andante wahrhaft grazioso wieder zurück – als hätten sie das Werk aus seiner spukhaften Umgebung befreit. So bereiteten sie ihm auch ein fröhliches Ende.

Ein wenig schade war, daß das Programm entgegen dem »originalen« Moritzburg-Rezept weder eine Wiederentdeckung noch ein modernes Stück enthielt und sich auf eine Epoche bezog, ohne diese zu reflektieren oder ihr etwas entgegenzusetzen.

Ludwig van Beethovens »Erzherzog-Trio« war nach der Pause der Gipfelpunkt des Abends. Und dieser konnte deshalb so begeistern, weil Kai Vogler, Peter Bruns und Frank-Immo Zircher dessen Architektur durchliefen wie einen funkelnden Palast, Türen öffneten, aufhorchen ließen. Daß die Streicher über eine stupende Technik verfügen, versteht sich von selbst. Frank-Immo Zircher gehört offenbar zu jenen Pianisten, die sich auf ein Instrument einstellen können, wenn zum Beispiel einmal ein kleiner Yamaha- statt eines Steinway-Flügels dasteht (das vermag beileibe nicht jeder). So fügten sich die drei Stimmen ineinander wie Teile ein- und derselben Sache, ohne zu »haken«. Reibungspunkte gab es nicht untereinander, sondern nur da, wo es der Komponist bezweckt hatte, wie im Scherzo, wo sich Violine und Violoncello kontrapunktisch beharken. Auch Beethoven ist ein »Verwandler«: aus dem lyrischen Andante cantabile gleitet das Trio ins abschließende Allegro über – mit elegantem Schwung.

Als Zugabe spendierte das Trio noch ein Andantino Franz Schuberts.

28. Oktober 2016

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