Saisonauftakt 2016 / 17 mit dem Collegium 1704

Monteverdis »Marienvesper« in der Annenkirche

Es war nicht das erste Mal, daß das Prager Ensemble um Václav Luks Claudio Monteverdis »Vespro della Beata Vergine« auf das Programm gesetzt hatte. Schon 2009 kam es zu einer Aufführung im Rahmen der Musikbrücke Prag – Dresden, vor Jahresfrist ebenso. In vielen Passagen reduziert das Collegium die Stimmen auf das nötigste – sowohl jene der Sänger wie der Instrumente. Das schärft nicht zuletzt deshalb die Sinne, weil es die Vielteiligkeit der Komposition aus vertonten Psalmtexten, Antiphonen, Concerti und Gregorianischen Chören offenbart, Besonderheiten hervorhebt, Kontraste verdeutlicht.

Wie so häufig standen die Stimmen des Collegium Vocale 1704 im Mittelpunkt, aus dessen Mitte Václav Čižek die Vesper mit der Anrufung »Deus in adjutorium meum intende« (»O Gott, komm mir zu Hilfe«) begann. Auch diesmal gab es – ganz dem Vespercharakter entsprechend – keine herausgestellten Solisten. Vielmehr übernahmen die zahlreichen Chormitglieder die Solopartien, Duette und Terzette.

Das instrumentale Collegium vertraute ebenso auf die Reduzierung, spielte mit nur zwei Violinen, welche hinter der Continuogruppe aufgestellt waren – auch das betonte die Bedeutung des Textes und der vortragenden Sänger wohltuend. Dennoch entwickelten die Musiker mit drei Posaunen und drei Zinkspielern (die im »Quia respexit« zur Blockflöte griffen) ebenso die prachtvollen, feierlichen Teile der Hymnen oder Concerti.

Wie schon in den letzten Aufführungen wurden die Gregorianischen Choräle à capella vorgetragen, Barbora Kabátková, die selbst als berückende Sopranistin auftrat und seit langem »Brückenmitglied« ist, hatte für Einstudierung und Leitung gesorgt. Entsprechend der Aufteilung der Stimmen im Chor bzw. der Mehrchörigkeit formierte sich das Ensemble Vocale 1704 (wie gewohnt) in den entsprechenden Gruppen oder eben als Gesamtheit hinter dem Orchester – es beeindruckt immer wieder mit seinem aus Solisten gebildeten homogenen Gefüge.

Wirkungsvoll geriet abermals die Abfolge der Textlesungen. Ein Solist trug diese jeweils mit Baßbegleitung vor, bei anschließenden Hymnen oder Chorälen kamen der Chor und das Orchester hinzu. Neben den bekannten und geliebten altbekannten Stimmen des Collegiums, wie Václav Čižek, Tomáš Král und Jaromír Nosek oder Kamila Mazalová und Aneta Petrasová (die zu den in Dresden »großgewordnen« Zugängen der Jahre dieser Partnerschaft zählt), bestach unter anderem Alessio Tosi mit seinem flehentlichen Tenor (»Nigra sum« / »Schwarz bin ich«).

Ob Chor oder Solist – Ausdruck und Aussprache waren excelllent, und auch in ein »Sancto« oder »Santus« schlich sich nicht der Hauch einer konsonanten Schärfe oder Härte ein. Mit einem gregorianischen »Benedictus Domino« ging eine wundervolle Aufführung auf ergreifende Weise zu Ende – wieder großer Jubel in der Annenkirche.

30. Oktober 2016, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s