Nicht nur ein Trio

Konzert des Philharmonischen Streichtrios Dresden

Heike Janicke (Violine), Andreas Kuhlmann (Viola) und Ulf Prelle (Violoncello) besetzen nicht nur wichtige Positionen bei der Dresdner Philharmonie und in anderen Ensembles, sondern haben sich vor zwanzig Jahren auch als »Philharmonisches Streichtrio Dresden« zusammengeschlossen. Im Rahmen der Kammerkonzerte der Philharmonie auf Schloß Albrechtsberg begingen sie am Sonntag ihr »Porzellanjubiläum«.

Werke, die als »Trio« bezeichnet werden, können in Besetzung und Charakter stark voneinander abweichen. Das Konzertprogramm veranschaulichte den Wandel unterschiedlicher Charakteristiken am Beispiel von Gattungsbeiträgen Beethovens, Dvořáks und Mozarts.

Ludwig van Beethoven hatte mit Mitte zwanzig seinen Blick an Mozart und Haydn geschärft, ging seinen individuellen Weg, war in manchem weiter, revolutionärer als seine Vorgänger. Sein Streichtrio G-Dur (Opus 9 Nr. 1) folgt nicht nur im Format der Anlage einem Streichquartetts oder einer Sinfonie, sondern entspricht diesen auch in seiner Feingliedrigkeit sowie der Gewichtung und Verwebung der Stimmen. Heike Janicke, Andreas Kuhlmann und Ulf Prelle vertieften sich in dieses Wechselspiel der Stimmen mit feinen Abstufungen und kamen einem Quartettklang besonders im ersten Satz frappierend nahe. Es war nicht nur möglich, sondern ein Vergnügen, den einzelnen Stimmen zu folgen. An die tiefe Nachdenklichkeit des Adagios schlossen sich ein vergnügliches Scherzo – mit deutlich singendem Cello – und ein behendes Presto an. Bei aller Vergeistigung offerierte das Streichtrio seinem Publikum vor allem luziden Charme.

Auf feingliedrig durchdachte Struktur folgte der schwelgerische Genuß Antonín Dvořáks. In seinem »Terzetto« Opus 74 sind es gleich drei Singstimmen, die miteinander verschmelzen, die Philharmoniker ließen sie durch den Raum schwärmen, mal als Duett mit Begleitung, mal als Trio. Zärtliche Liebelei und Frohsinn im munteren Wechsel und mit hellsten Farben – im Original ist das Stück für zwei Violinen und eine Viola geschrieben. Davon, daß die Besetzungsanpassung hier zu einer klanglichen Eintrübung geführt haben würde, konnte aber keine Rede sein.

Nach zwei Werken, welche zumindest vom Geist der Quartette berührt gewesen sein dürften, folgte nach der Pause ein deutlich dem Vergnügen zuzuordnendes Divertimento Wolfgang Amadeus Mozarts. Nach der intimen Verquickung der Stimmen zuvor gab sich das Streichtrio nun ganz höfisch heiter. Gegenüber inneren Bezügen hatten kontrastierende Wechsel der Sätze eine höhere Bedeutung. Kein bißchen altväterlich klangen die alten Menuette, waren lebendige, pure Musizierlust, die Variationen des Andante förderten die Stimmen einer ganzen Hofkapelle zutage.

Das Publikum ließ sich gerne vergnügen und verlangte auch nach dem vermeintlichen Schlußwort (Bachs »Aria« aus den Goldbergvariationen) nach mehr. Als Antwort bekam es Scott Joplins »The Ragtime Dance«, in den noch etwas Wiener Schmäh hinübergeschwappt schien.

26. September 2016, Wolfram Quellmalz

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