Weckmann war vor Wagner da

Konzert zum 400. Geburtstag in der Diakonissenhauskirche

Den genauen Geburtstag kennt man heute nicht, aber die Musikwissenschaft geht davon aus, daß Matthias Weckmann 1616 zur Welt gekommen ist, im thüringischen Niederdorla (das ist sicher). Irgendwann in diesem Jahr feiern wir also seinen 400. Geburtstag. Feiern wir? Jan Katzschke, Kantor der Diakonissenhauskirche, stellt fest, daß man in Dresden kaum auf das Jubiläum des ehemaligen Sängerknaben und Kapellmitgliedes eingeht, während er anderen Ortes, etwa seiner späteren Wirkungsstätte Hamburg, durchaus und nachhaltig gewürdigt wird. Doch da es immer besser ist, ein Licht anzuzünden als über die Dunkelheit zu klagen, hat Jan Katzschke die Sache selbst in die Hand genommen. Gemeinsam mit der Altistin Dorothea Zimmermann beging er den 400. Geburtstag des Komponisten mit zwei Konzerten in Niederdorla (Sonnabend) und in der Diakonissenhauskirche (Sonntag). Seiner Begeisterung für Matthias Weckmann ging Jan Katzschke schon früh nach, wovon bereits 2004 seine Debut-CD beim Entdeckerlabel CPO zeugte (»Die lieblichen Blicke«, Cembalowerke, Preis der Deutschen Schallplattenkritik).

Der Name Matthias Weckmanns ist eng verbunden mit Heinrich Schütz, welcher in Weckmanns Knabenzeit Kapellmeister in Dresden gewesen war und prägenden Einfluß gehabt haben dürfte. Umgekehrt ist aber Matthias Weckmann ebenso ein begnadeter Musiker gewesen, dessen Werke für Tasteninstrumente hoch geschätzt wurden und folgende Generationen beeinflußten, stellvertretend sei hier nur Georg Böhm erwähnt. Ein wichtiger Partner im musikalischen Austausch war auch Johann Jacob Froberger, der Weckmann in Dresden besucht hat.

Von diesem Leben und Schaffen erzählte das Programm Jan Katzschkes und Dorothea Zimmermanns. Gattungen der Cembalo- und Orgelliteratur, die später berühmt werden sollten, wie Toccata, Partita oder Suite, waren zu Weckmanns Zeiten noch jung, bildeten sich gerade heraus. Allein die drei Toccaten in d-Moll, C-Dur und a-Moll bewiesen eine hohe Meisterschaft und müssen schon damals das Publikum phasziniert, wenn nicht gar verblüfft haben. Weitab einer formalen Strenge bergen sie komplexe, geradezu metrische Strukturen, die ihnen einen inneren Zusammenhalt und den Antrieb eines Uhrwerkes verleihen, gleichzeitig sind sie aber auch barock verspielt, voll reicher Ornamentik und von großer Lebhaftigkeit.

Für manche Werke, wie das Magnificat II. Toni, wechselte Jan Katzschke an die Schuke-Orgel. In der Canzona in C-Dur beeindruckte und begeisterte er mit Weckmanns polyphoner Klangsprache.

Der Sprache, dem Wort, hat Matthias Weckmann in geistlichen und heiteren Liedern und Arien Raum gegeben, eine Auswahl war ebenfalls im Konzert zu hören. Eine besonders nahegehende Interpretation gelang Dorothea Zimmermann aber in ruhigeren Liedern Heinrich Schütz‘ wie »Was hast du verwirket« und »Ich will den Herrn loben allzeit«.

12. September 2016, Wolfram Quellmalz

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