Abschlußkonzert des Pianoforte-Festes Meißen

Vorgezogenes Debut von Jonas Stark

Mit Thomas Duis hatte 1999 das erste Pianoforte-Fest begonnen. Dem Auftritt des Pianisten im THÜRMER Pianoforte-Museum folgten zahlreiche weitere, gestern allerdings mußte er sein Konzert in der Aula des St.-Afra-Gymnasiums leider aus persönlichen Gründen absagen. Jedoch ist Thomas Duis nicht nur Konzertpianist, sondern auch Hochschullehrer, und so konnte er dem Veranstalter kurzfristig einen Ersatz aus den eigenen Reihen empfehlen. Jonas Starks Debüt, sagte der Veranstalter Jan Thürmer, sei eigentlich erst für das kommende Jahr vorgesehen gewesen, nun kam es also etwas früher.

Jonas Stark wurde in jenem Jahr geboren, als das Pianoforte-Fest aus der Taufe gehoben wurde. Jetzt, gerade 18 Jahr alt, brachte er Werke von Domenico Scarlatti und Franz Schubert für das Abschlußkonzert mit nach Meißen.

Auf dem Thürmer-Flügel ließ er zunächst Domenico Scarlattis Sonate g-Moll K 426 erklingen. Von diesen Sonaten hätten es ruhig noch etwas mehr sein dürfen, denn die Vielgestaltigkeit Scarlattis ist äußerst reizvoll. Den Auftakt gestaltete Jonas Stark mit interessanten Tempi und kräftigem Anschlag.

Auch bei Schubert klang viel jugendlicher Sturm und Drang durch. Auf die mittlere Klaviersonate a-Moll (D 784) ließ der Pianist am Konzertende noch einen der späten Meilensteine folgen – Sonate G-Dur (D 894). Auch hier überraschte Jonas Stark mit durchdachten Tempi, straffte und formte die Werke durch Wechsel und Umschwünge. Gerade in der Gestaltung von Nebenthemen, Um- oder Wiederkehr, gefielen lyrische Passagen, bei allem Vorwärtsdrang gerieten dem Pianisten manche Stimmen jedoch außerordentlich kräftig. In Liszts Schubert-Bearbeitung des »Erlkönigs« etwa herrschte von Beginn an Drama, wo es sich doch eigentlich von Strophe zu Strophe steigern sollte.

Für die Erforschung der subtilen Schubert‘schen Schatten wird dem jungen Pianisten allerdings noch genügend Zeit zur Verfügung stehen, auch darf man den kurzfristigen Einsatz nicht außer acht lassen. Was auch auffiel: gerade in der recht späten Sonate (D 894 ist die 18., also die letzte vor der abschließenden Trias D 958 bis 960) erlangte Jonas Stark nach und nach spielerische Leichtigkeit, in welcher er das abschließende Allegretto gipfeln ließ, bevor er in zwei Chopin-Zugaben ebensolche Leichtigkeit aufblinken ließ.

Der Abschluß des Pianoforte-Festes macht also auch wieder neugierig auf das kommende Jahr (und wir hoffen, daß auch ein Clavichord-Konzert im Prälatenhaus wieder ins Programm rückt), auf die Gäste, auch und gerade solche, die wiederkehren werden.

14. September 2016, Wolfram Quellmalz

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