Batzdorfer Barockfestspiele

24. Jahrgang am Sonntag beendet

In den Anfängen war vieles noch ein wenig provisorisch, nicht zuletzt am Schloß, dessen Restaurierung gerade begonnen hatte. Besucher der ersten Stunde erinnern sich noch an die offenen Fenster. Diese sind mittlerweile längst wieder eingesetzt, es gibt ein Café, eine Theke für Getränke, eine Ausstellung. Allenfalls die Holzklappstühle haben noch etwas provisorisches und sind nicht die bequemsten – erfahrene Gäste bringen sich Kissen mit.

Doch nicht nur die Rekonstruktion des des Herrenhauses und der Anlage ist vorangeschritten, die hier beheimatete Batzdorfer Hofkapelle – eine Neuerfindung von 1993, es gab zuvor in Batzdorf kein Hoforchester – ist längst in der Alten-Musik-Szene etabliert. Davon zeugen regelmäßige Konzerte – in der Region ebenso wie bei internationalen Alte-Musik-Festivals oder (im Dezember mit Händels »Messias«) in der Berliner Philharmonie. Das schafft auch Kontakte, und so kommen internationale Szenegäste nach Batzdorf und sorgen für exklusive Programme statt Galas mit Händel-Hits. Daß dabei (in der regel) auf alten Instrumenten gespielt wird, versteht sich von selbst.

Am Mittwoch war das Kölner Pleyel-Quartett zu Gast und präsentierte neben einem Werk des Namensgebers Quartette von Mozart und Haydn, Markéta Cukrová (Mezzosopran) und Alena Hönigová (Hammerklavier) gaben einen Liederabend mit Vertonungen von Goethe-Texten auch wenig bekannter Komponisten, Constanze Backes (Sopran) und Stefan Horz (Cembalo) hatten Lieder ganz unterschiedlicher Herkunft zu einer »Biography of Love« zusammengefaßt. Ihr Programm reichte bis zu Reynaldo Hahn und Luis Guglielmi ins zwanzigste Jahrhundert – auf »alt« sind die Schloßfestspiele also durchaus nicht beschränkt.

In jedem Jahr kann man in Batzdorf eine Barockoper erleben, wobei der Veranstalter gerne gräbt und sucht. In diesem Jahr gab es Giovanni Alberto Ristoris »Calandro« zu erleben. Ristori, 1692 in Norditalien geboren, kam schon in jungen Jahren nach Dresden und wurde als Hofcompositeur angestellt. Daß man ihn nun langsam wiederentdeckt, ist nicht zuletzt dem Wirken der Batzdorfer Hofkapelle zu verdanken. (Wovon unter unter anderem eine Aufführung der »Litaniae de Sancto Xaverio« mit dem Sächsischen Vocalensemble in der Dreikönigskirche zeugte.)

Nach drei Opernvorstellungen und fünf Konzerten gingen die diesjährigen Batzdorfer Barockfestspiele am Sonntag zu Ende. Am Nachmittag hatte die Accademia par Musica zu einer »L’Apothéose de Corelli« geladen und spielte vier Werke, die sich auf den italienischen Virtuosen bezogen. Neben zwei seiner Triosonaten erklangen französische Suiten, nämlich François Couperins »L’Apothéose de Corelli« sowie Jean Marie Leclairs »Deuxième Récréation de musique d’une exécution facile composée pour deux flûtes ou deux violons«. Auch wenn diese im Stil dann doch französisch und weniger »nach Corelli« geraten sind, bezauberten sie mit einer Reichhaltigkeit in Melodie und Gestaltung, welche Accademia par Musica mit Verve zu beleben wußte.

5. September 2016, Wolfram Quellmalz

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