Mit Charme und Witz

Preisträgerkonzert in der Frauenkirche

Die gebürtige Südkoreanerin Sooyeon Lee ist nach einem Studium in ihrer Heimat zunächst nach Wien gekommen, um ihre Ausbildung zu vervollkommnen. Daß dies gelungen ist, davon zeugen unter anderem ein zweiter und der Publikumspreis beim Musikwettbewerb der ARD 2015. Dies war auch der Anlaß, sie für den Sonnabend in die Frauenkirche einzuladen.

Gemeinsam mit Klavierpartner Dieter Paier präsentierte sie sich in zwei Kernfeldern des deutschen Repertoires: Werke Robert und Clara Schumanns sowie Franz Schuberts gehörten zur ersten Konzerthälfte, nach der Pause erklangen dann Kompositionen von Richard Strauss und Gustav Mahler. Die Trennlinie zwischen Romantik und Spätromantik zu setzen, erscheint schon angesichts der Opulenz der Werke sinnvoll, zumal gerade bei Strauss eine Nähe zur Oper unverkennbar ist.

Mit »Lied der Suleika« Op. 25, Nr. 9, »Meine Rose« Op. 90 Nr. 2 und »Du bist wie eine Blume« Op. 25 Nr. 24 begann Sooyeon Lee den Abend in der Unterkirche. Ein kurzes hören und – staunen. Trotz allen Stimmtrainings und Sprecherziehung merkt man ausländischen Sängern ihre Herkunft häufig an, vor allem beim Lied. Seien es kleine Vokalfärbungen oder die Aussprache von Konsonanten, doch bei Sooyeon Lee – fast nichts! Geschmeidig, verständlich und mit wunderbar rollendem »r« gingen Schumanns Lieder zu Herzen. Die Liebesbotschaft des dritten unterstrich sie mit einer inneren Zugewandtheit.

Clara Schumanns Vertonungen von Gedichten Hermann Rollets aus »Jacunde« boten Dieter Paier Gelegenheit, jetzt präsenter aufzutreten, denn hier galt es, die Sonne des lichten Morgens fluten oder Lerchen und Nachtigallen jubeln zu lassen. Sooyeon Lee wiederum ließ aus »Geheimem Flüstern hier und dort« ein Versprechen wachsen. Nicht nur in Gestaltung und Verständlichkeit, auch technisch hatte die Sopranistin keinerlei Schwierigkeiten. Ob es enorme Tonsprünge zu meistern galt oder – wie bei Schuberts »Wonne und Wehmut« – gehauchte Verszeilenanfänge, die Präzision Sooyeon Lees war verblüffend, vor allem, weil die Klarheit nicht Nüchternheit im Ausdruck zur Folge hatte. »Nacht und Träume« gewannen so mystische Tiefe.

Daß Sooyeon Lee auch auf der Opernbühne zu Hause ist (ab Herbst gehört sie zum Solistenensemble des Oldenburgischen Staatstheaters), darauf ließen auch die vier Lieder »Mädchenblumen« op. 22 Richard Strauss‘ schließen. Mit kräftigen Farben vertonte der Komponist die Vorlagen Felix Dahns. Im Konzert erklangen sie mit reichlich Emphase und fast szenischer Darbietung. Die Sängerin hatte aber ebenso Spaß, dies neckisch auszugestalten, worin ihr Begleiter nicht nachstand, wenn er zum Beispiel das Bad der »Wasserrose« sprudeln ließ. Auch die Stücke aus Gustav Mahlers »Liedern und Gesängen aus der Jugendzeit« vertragen eine gute Portion Humor. Doch selbst dieser, und sei es im Augenzwinkern, erschien weder aufgesetzt oder affektiert.

Sooyeon Lees Liederabend war ein großer Glücksmoment für die Zuhörer, die nun mehr verlangten. In zwei Zugaben kehrte die Sopranistin zu ihren Ursprüngen zurück: mit Beethovens »Zärtlicher Liebe« zum Wiener Studium und mit »Arirang«, einem koreanischen Liebeslied, in ihr Geburtsland.

17. Juli 2016, Wolfram Quellmalz

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