Unterhaltung mit hohem Niveau

Saisonabschluß von Staatskapelle und Tonkünstlerverein

Der vierte Aufführungsabend war das letzte Konzert in dieser Spielzeit – nach zwei Opern- bzw. Ballettvorstellungen am Wochenende verabschiedeten sich die Musiker der Sächsischen Staatskapelle dann in die Sommerpause. Als neuen Gast hatte der Tonkünstlerverein den amerikanischen Dirigenten Cristian Măcelaru eingeladen, auf dem Programm standen Stücke, die ganz ernsthaft dem Genre der gehobenen (klassischen) Unterhaltungsmusik zugeordnet werden können.

Schon Constantin Silvestris drei von der rumänischen Volksmusik inspirierten Stücke für Streichorchester Opus 4 Nr. 2 atmeten die Leichtigkeit der Inspiration und des freien Umgangs mit Formen und Rhythmen. In den kleinen, tänzerischen Episoden ließ Cristian Măcelaru Struktur erkennen, verlieh ihnen prägnante Eigenarten, kehrte unterschwellig derbe, kräftige Schattierungen hervor. Heisere Celli und kratzende Kontrabässe (die mehr Geräusch als Melodie erzeugten) sorgten für Kontraste, ohne diese Schatten übermächtig werden zu lassen. Immer wieder trat die Konzertmeisterviola hervor, während die anderen Streicherkollegen nur zupften, aber schon hier bewiesen die Musiker der Staatskapelle, daß »für Streichorchester« keineswegs bedeutet, daß (ver)fremde(te) Akzente fehlen würden. Angeschlagene Saiten der Violoncelli ließen mit ihrem perkussiven Klang gar den Eindruck von Tamburinen entstehen.

Wolfgang Amadeus Mozart liebte (und spielte) die Viola ebenfalls. Kein Wunder, daß er das Instrument in seiner Sinfonia concertante KW 364 der Violine nicht unterordnet, sondern beide gleichwertig behandelt. Federico Kasik (vl) und Anya Dambeck (vla) aus den Reihen der Staatskapelle fiel die Aufgabe zu, die Solistenrollen zu übernehmen. Die Staatskapelle gab beiden den Raum für eine gediegene Interpretation, extrem kantabel, geschmeidig, ganz ohne Ecken und Kanten. Beide waren im Ton aufeinander abgestimmt wie zwei Farbschattierungen einer Palette, wobei Federico Kasik noch etwas wohliger und ausdrucksstärker blieb. Cristian Măcelaru drängte nicht zur Eile und bewies Maß. Schon jetzt betörten aber auch die Bläser, die fabelhaften Hörner vor allem!

Mit Igor Strawinskys »Pulcinella-Suite« kam ein weiteres vom Tanz inspiriertes bzw. diesem gewidmetes Werk zur Aufführung – hatte es seinen Ursprung doch als Ballettidee Sergej Diaghilews. Die Basis führte auch hier ins volkstümliche, die Folklore und Sage, wofür Strawinsky durchaus derbe Töne gefunden hatte. Und wieder pochten die Celli, prägten den Rhythmus. Vor allem wechselten aber die Instrumentengruppen, gerade in den Variationen, ließen Flöte und Fagott solistisch auftreten oder spielten kurzweilig – ganz ohne Streicher für den Moment – eine Harmoniemusik. Nebst Flöten, Oboen, Fagotten und den zuvor schon erwähnten Hörnern konnten außerdem Trompeten und Posaunen zum Bläserglanz beitrage. Manches Ende schien etwas abrupt, wie abgehackt, andere Übergänge gelangen Cristian Măcelaru dagegen fließend. Pulcinellas Geschichte ist wechselhaft und enthält tragische wie klagende Passagen. Doch mit großer Lebhaftigkeit entließen er und die Musiker ihr Publikum in die Sommerpause.

9. Juni 2016, Wolfram Quellmalz

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