Benefizkonzert für die Konzertsaalorgel im Kulturpalast

Fördervereins-Orchester der Philharmonie widmet sich »Raum, Musik und Zeit«

Eben erst waren die Musikfestspiele unter dem Motto »Zeit« zuendegegangen, da faßte das Fördervereins-Orchester der Philharmonie das Thema noch etwas weiter, aber auch konkreter: Raum, Musik und Zeit erfordern und führen zu Ruhe und Atemluft. Musik braucht Ruhe, Musiker und Zuhörer brauchen Atemluft, eine Orgel braucht sie aber auch. Im kommenden Jahr soll das neue Instrument im Konzertsaal des umgebauten Kulturpalastes erklingen – noch können Spenden abgegeben oder Patenschaften übernommen werden.

Der lettische Komponist Pēteris Vasks, der im April seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, gilt als einer der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten. Ohne minimalistische Ansätze zu verfolgen, reduziert Vasks seine Werke auf tonale Keimzellen, aus denen er Musik entstehen läßt. Gerade von Chören wird dies geschätzt, der Zugänglichkeit und des Atems wegen. »Fruits of silence« greift ein Zitat Mutter Teresas auf und stand am Beginn eines Programmes, das mit einer »Pater-noster«-Vertonung schloß. Daß hier der Philharmonische Chor (Einstudierung: Gunter Berger) sowie der um (ehemalige) Kruzianer entstandene Chor 116 e. V. (Christoph Frenzel) vereinigt worden waren, merkte man nicht, denn in Ruhe und Ausdruck fanden beide ein harmonisches Miteinander, ließen die von Vasks vertonten Worte strömen und setzten dem draußen tobenden Gewitter die Kraft der Gedanken und des Gebetes entgegen, ohne forciert oder lautstark aufzutreten – in der Ruhe liegt die Kraft.

Das von Wolfgang Hentrich geleitete Orchester des Fördervereines war mit einem knappen Drittel Berufsmusiker der Philharmoniker verstärkt, aber auch Philharmoniker aus der Verwaltung gehören dazu. Und der Vorsitzende des Fördervereines Lutz Kittelmann (Viola) engagierte sich sozusagen in eigener Sache.

Welche musikalischen Glanzstücke können wir ab dem kommenden Jahr erwarten, wenn der neue Konzertsaal und seine Orgel eingeweiht sind? Zu den großen sinfonischen Werken für Orgel und Orchester zählen unter anderem solche der französischen Schule, ganz sicher Camille Saint-Saëns‘ Sinfonie Nr. 3. In der Kreuzkirche und mit der Jehmlich-Orgel gab es nun einen Vorgeschmack, der neugierig machte. Es zeigte sich, daß sich hier nicht eben ein paar Amateure getroffen hatten, um gemeinsam zu musizieren. Seit Februar hatte sich das Orchester vorbereitet und dabei bemerkenswertes erreicht, sowohl das Zusammenspiel und die Ausgewogenheit betreffend (was schon in der Chorbegleitung aufgefallen war), als auch in den vielgliedrigen und mit reichlich Soli versehenen Sinfonien – nach Saint-Saëns folgte noch Franz Schuberts von Ruhe und Tiefe, aber auch Hoffnung und Zuversicht geprägtes h-Moll-Werk, die »Unvollendete«. Kreuzorganist Holger Gehring ließ dazwischen noch ein Stück, diesmal ohne Orchester, verströmen: Satz 1 aus Charles-Marie Widors Orgelsinfonie Nr. 5. Widor, der – von den Meisterwerken Aristide Cavaillé-Colls angeregt – sinfonisches für die Königin der Instrumente allein schuf, ist mit Sicherheit eine gute »Vorlage« für die Eule-Orgel im Kulturpalast. Und so gab es einmal nicht die prächtige Toccata, die man sonst häufig als Zugabe bekommt, sondern das Allegro vivace als Präludium für die Zukunft.

6. Juni 2016, Wolfram Quellmalz

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