Sonderkonzert mit Solistentrio

Anne-Sophie Mutter, Lynn Harrell und Yefim Bronfman bei der Sächsischen Staatskapelle

Nur wenige Tage nach dem Sinfoniekonzert legte Yefim Bronfman, der aktuelle Capell-Virtuos, noch einmal nach und bescherte seinem Dresdner Publikum den Abschluß seiner Residenz (mit der Kapelle wird er noch zwei Gastkonzerte in Wien und Baden-Baden geben) und seines Beethoven-Zyklus‘. Dabei kam das zuletzt wegen Programmänderung gestrichene fünfte Klavierkonzert zur Aufführung. Nach der Pause dann erweiterte sich der Abend noch, denn für das Tripelkonzert – an sich schon ein Meilenstein – waren drei Weltstars auf die Bühne gekommen.

Beziehungsweise vier, denn Manfred Honeck ist auch dazuzuzählen. Honeck hatte kurzfristig die Sonderkonzerte übernommen, die Christian Thielemann krankheitsbedingt absagen mußte.

Und schließlich gab es noch einen Gast: Frank-Michael Erben, einer der Ersten Konzertmeister des Gewandhausorchesters, versah (wie schon einmal sein Kollege Sebastian Breuninger) Dienst beim benachbarten Orchester.

»Emperor« wird Beethovens Konzert wegen seines majestätischen, triumphalen Charakters genannt – wogegen sich Beethoven-Exegeten wehren, weil es die subtilen Nuancen und leisen Töne vernachlässigt. Auf keine Begriffsdiskussion ließen sich Yefim Bronfman und Manfred Honeck ein, denen es an Subtilität und Nuancierung nicht mangelte. Leicht verlieren sich manche Dirigenten beim Herausstreichen derselben im Betonen von Effekten, was dem zusammenhängenden Werk unzuträglich ist – hier nicht. Staunen über staunen konnte man angesichts der Wechselgesänge und Motive, die sich zwischen den Holzbläsern oder den Violingruppen entspannen, da war der etwas wackelige Beginn schnell vergessen. Yefim Bronfman schien mit seinem Flügel über dem Orchester zu schweben, gerade im zarten Ausformulieren, Sinnen, sich verlieren führte er seine Zuhörer in Sphären, die sonst oft von der Majestät des Konzertes überstrahlt werden. Feinsinnig und eloquent zeigten sich im zweiten Satz die Streicher, dann fanden Klavier, Flöte und Fagott zu einem behenden Trio zusammen.

Aber auch im dritten Satz, einem stürmisch-siegesbewußten Rondeau, dominierte nicht das Triumpfgefühl, auch hier fand Manfred Honeck Gelegenheit, mit samtig getupften Streichern das Beethoven’sche Spektrum zu zeigen.

Die Konzertpause war gleichzeitig Zäsur, denn nach dem jubelnden Opus 73 erklang Beethovens »Coriolan«-Ouvertüre nun düster, rauh und tragisch. Sie beginnt mit heftigen Akkordschlägen, die um so düsterer ausfallen, je sachter sie werden. Gleichwohl gelang es der Staatskapelle, Bittgesänge einzuflechten und dem Bild allerlei Farben und Farbabstufungen »über grau« beizumischen.

Und dann das Tripelkonzert. Auch dieses leitet Beethoven gekonnt vom zweiten in den dritten Satz über, läßt auch hier die Stimmung umschwingen. Gleichwohl ist das Gegenüber ein ganz anderes als im Klavierkonzert, denn natürlich beschwört der Komponist über weite Strecken ein Klaviertrio herauf – aber eben nicht nur. Dicht verknüpft sind die musikalischen Fäden der drei Instrumente, immer wieder tauschen sie die Rollen – also eben doch drei Solisten.

Frappierend war, wie unterschiedlich Anne-Sophie Mutter, Lynn Harrell und Yefim Bronfman im Auftritt schienen – innig versunken (Bronfman), heiter, schelmisch und zunehmend selig (Harrell, auch einmal schnalzend zur Musik des Orchesters) und brillant strahlend (Mutter), was in Gestus und Ton auffiel, aber ein zusammenfinden des Trios trotzdem nicht bremste – es wurde ein gemeinsames ganzes. Schön war es, die Unterschiedlichkeit der drei zu beobachten, aber auch hier die Feinheiten zu entdecken, die Manfred Honeck mit dem Orchester offenlegte, oder die das Beethoventrio offerierte. Wenn zum Beispiel das Klavier zum Gesang der beiden Streicher mit perlender Rasanz vorwegnahm, was Schubert (im Forellequintett) oder Brahms (Klavierquartett g-Moll) ihren Werken später noch viel expliziter beigefügt haben. Und dennoch waren es erneut die zarten Töne, mit denen Yefim Bronfman beeindruckte – subtile Schattierungen. Seine Residenz war ein Glücksfall – wir sind gespannt auf seinen Nachfolger Daniil Trifonov in der kommenden Spielzeit!

21. April 2016, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s