Ein Vorgeschmack auf Moritzburg

Kammermusik von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven bei den »Meisterkonzerten«

Noch sind es gute vier Monate bis zum Moritzburg Festival, doch die vom Veranstalter während der laufenden Spielzeit veranstalteten Kammerkonzerte schenken zwischendurch immer wieder kleine Höhepunkte – seien es extravagante wie beim letzten Konzert (Duos für Violine und Gitarre) oder »Urgesteine« der Kammermusik betreffend wie am gestrigen Mittwoch im Konzertsaal der Dresdner Musikhochschule.

Nicht nur die Musik, auch die Musiker kehren zwischendurch nach Dresden zurück, in diesem Fall Kristian Bezuidenhout und Alina Ibragimova. Der südafrikanische Pianist war als Gast bereits in Moritzburg und bei den Dresdener Musikfestspielen zu erleben und verzauberte hier wie da sein Publikum. Diesen »Zaubereffekt« sparte sich das Programm diesmal für die zweite Hälfte auf. Zuvor gab es ein ebenso meisterliches Quartett um die Alina Ibragimova, die in Moritzburg sicherlich wichtige Impulse erhielt, hier aber ebenso seitens des Publikums reges Interesse fand.

Mozarts Divertimento B-Dur (KV 137) enthielt auch in der Quartettbesetzung (außerdem Pablo Hernán Bendi – Violine, Emilie Hörlung – Viola, Claire Thirion – Violoncello) die ganze Sonnigkeit, arioses Vergnügen, fand Ruhe, worein es die auf Darmsaiten spielenden Musiker schon im einleitenden Andante sinken ließen. Die folgenden beiden Allegro-Sätze gerieten lebhaft, launig, auch schien ihnen etwas vom Haydn’schen Schalk innezuwohnen.

Mit Beethovens »Harfen-Quartett« op. 74 gab es einen kleinen Umschwung, doch überrascht das Quartett trotz der strengeren Ordnung eben gerade dadurch, daß es nicht »streng« klingt. Die Harfenarpeggien sind nur ein Anreiz hierbei, das Chiaroscuro Quartet feilte wonnige Freude zwei furiose Schlußsätze mit spritzigen Variationen heraus – besonders die Viola setzte hier, leicht kehlig – gekonnte Akzente. Doch auch die harfenimitierenden Pizzicati waren glasklar und betonten mit angenehmer Härte die Brillanz – keine Weichzeichnerei!

Nach der Pause enthüllte Kristian Bezuidenhout einen gehörigen Klangzauber auf seinem Hammerflügel. Im Vergleich mit dem modernen Steinway scheint es als Nachteil, daß sich die Toncharakteristik mit der Tonhöhe ändert – daß dieser theoretische Schein aber im Konzert von ungeheurem Reiz ist, bewies der Kristian Bezuidenhout ein weiteres Mal im Konzertsaal der Musikhochschule.

In Mozarts Es-Dur-Quartett (KV 493) ging eine besonders innige Verbindung mit dem Violoncello ein, doch traten zu keinem Zeitpunkt Ungleichgewichte unangenehm hervor. Im Gegenteil sorgten solche Verschiebungen wie auch der mal wattig gedämpfte und dann wieder im schönsten Mezzosopran singende Flügel für ein sonnig-freundliche Hörerlebnis.

Im Klavierkonzert A-Dur (KV 414) traten diese Effekte noch weiter hervor. Auch sorgten nicht nur das Miteinander der Spieler, sondern ebenso der in der Orchesterbegleitung mitspielende Pianist – sozusagen im Begleitbaß – für Ausgewogenheit und Farbe. Von Mozarts Klavierkonzerten (wie denen anderer Komponisten) gibt es zeitgenössische Bearbeitungen für kleine Ensembles, beispielsweise vom Mozart-Schüler Johann Nepomuk Hummel. Doch für dieses Mal war es keine solche, denn das Konzert läßt sich gleichfalls in der Urform »a quattro« spielen. Und auch in diesem Kleinstbesetzung entwickelten Kristian Bezuidenhout und das Chiaroscuro Quartet eine musikalische Andacht und Abenddämmerung in den schönsten Farben.

Mit der Allemande aus Mozarts Suite KV 399 verabschiedete sich Kristian Bezuidenhout – auf bald, hoffentlich!

22. April 2016, Wolfram Quellmalz

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