Ambivalentes Moll

Antrittskonzert von Prof. Natalie Prischepenko in der Musikhochschule Dresden

Alle drei Werke des Abends standen in Moll: Claude Debussys pulsierend-farbige Sonate g-Moll, Sergej Prokofjews stürmisch-revolutionäre f-Moll-Sonate sowie das Klaviertrio Nr. 2 (Opus 66) von Felix Mendelssohn Bartholdy in zauberisch-leichtem c-Moll.

Gediegen, fein, mit klarem Ausdruck spielte Dresdens neue Geigenprofessorin Claude Debussys 1917 entstandene Sonate – sein letztes vollendetes Werk. Weniger die Suche nach Modernität der Klangsprache als die Wiederentdeckung der französischen Tradition wollte der Komponist, der sich mehrfach auf Jean-Philippe Rameau berief (unter anderem in den Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Images I »Hommage à Rameau), in sein Werk einbeziehen. Sein Weg führte dennoch – vorbei an der deutschen Tradition – dennoch in die Moderne. Mit besonderer Raffinesse verwob Debussy die Stimmen von Violine und Klavier, die er gleichwertig auftreten läßt.

Natalia Prischepenko und ihr Partner Zhora Sargsyan (UdK Berlin, Klasse Prof. Klaus Hellwig) gestalteten das Werk opulent, mit vielen dynamischen Differenzen und Schattierungen, fügten den zweiten Satz Intermède. Fantasque et léger mit rhapsodischem Charme ein und ließen sich auch von einer gerissenen G-Saite nur kurz unterbrechen. Im Finale. Très animé zeichneten sie zuerst dämmriges Abendlicht, um es dann mit atemberaubender Virtuosität und impressionistischen Farbspielen zu beleben.

Ganz anders dann Prokofjews zwischen 1938 und 1946 entstandenes Werk. Düster dräuend beginnt es, Natalia Prischepenko und Zhora Sargsyan beschworen nüchterne Kühle und packende Intensität gleichermaßen. Wie schon bei Debussy kehrten die beiden Musiker die ambivalenten Stimmungen des Werkes durchaus hervor, ohne daß es an diesen geschärften Kontrasten zerbrach. Treibend, kraftvoll, stürmisch ging es über weite Strecken, Natalia Prischepenko und Zhora Sargsyan beließen der Sonate die eruptive Gewalt, verstanden es aber auch, einen gleichmäßigen Fluß zu gestalten und gönnten ihr im Andante einen warmen, gedämpften, singenden Charakter. Zhora Sargsyan ließ aus seinem Bösendorfer-Flügel Harfentöne aufsteigen und unterstrich so den Traumcharakter des dritten Satzes vor dem Parforceritt des Allegrissimo.

Für Mendelssohns zweites Klaviertrio (1845) nach der Pause gesellte sich den beiden Musikern Hayk Sukiasyan (Klasse Ramon Jaffé) hinzu. Auch in diesem Trio traten die Kontraste klar hervor, auch hier zeigten sich die Musiker Wandlungsfähig zwischen jubilierenden Elfen, ernsthaftem Trigespräch und Lied ohne Worte. Ihre Homogenität erreichte verständlicherweise nicht jene, wie man sie von ständigen Partnern oder festen Ensembles kennt, so überstrahlte die Violine häufig das Violoncello. Mendelssohn hat im letzten Satz den Choral »Vor Deinen Thron tret ich hiermit« verarbeitet. Hier schwenkt das Werk dann ins feierliche C-Dur um – von Natalia Prischepenko, Hayk Sukiasyan und Zhora Sargsyan mit viel Licht gespielt.

10. April 2016, Wolfram Quellmalz

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