Farben-Reich

Pascal Rogé und die Dresdner Philharmonie im Schauspielhaus

Maurice Ravels flutende Klangfarben nehmen den Zuhörer leicht gefangen und verzauberten auch am Sonnabend das Publikum im Dresdner Schauspielhaus. Für den erkrankten Bertrand de Billy war kurzfristig Aleksandar Markovic eingesprungen, der das Programm unverändert übernahm und mit Maurice Ravels »Pavane pour une infante défunte« begann. Blitzsauber und elegant setzten die Hörner ein, ließ Markovic Bläser und Streicher zusammenwachsen. Diese strömende Vereinigung gelang ihm an diesem Abend immer wieder – Wandel ergab sich fließend, ohne Brüche, dazu feinster sächsischer Streicherklang, worüber sich Bläser oder Harfen erhoben – wunderbar! Einzig die Pause vor der Coda sorgte – da die Akustik eben keinen Nachhall gewährte – für eine Unterbrechung.

Mit Pascal Rogé war ein französischer Pianist nach Dresden gekommen, der den Werken seiner Landsleute mit tiefem Verständnis für klangmalerischen Zauber nachspürt. So auch in Maurice Ravels G-Dur-Konzert, welches er in vielen Nuancen erblühen ließ. Der teilweise jazzige Charakter entstand nicht erst durch orchestrale Rhythmisierung, sondern lag bereits im Klavierpart begründet. Aleksandar Markovic bereicherte das Werk auch immer wieder durch erstaunliche Schattierungen, raunende Streicher oder gedämpft klingende Harfen etwa. An Farben fehlte es wahrlich nicht, so zeichneten die Philharmonie und Pascal Rogé das Adagio mit seiner langen, singenden Klaviereinleitung in Pastell und Tempera, bevor sich im Presto wieder verstärkt Rhythmen die Bahn brachen. Hier verstand es der Dirigent, dem Orchester eine angenehme Schärfe zu entlocken.

Als Zugabe ließ Pascal Rogé eine Gnossienne Erik Saties aus dem Flügel gleiten, ein luftiges Gebilde, schwebend, tänzerisch und anmutig – fabelhaft!

Josef Suks »Asrael«-Sinfonie ist von mehreren Toden beeinflußt, Verlusten, die der Komponist binnen kurzem verarbeiten mußte, weshalb das Werk auch mit Unterbrechungen entstand und aus zwei Teilen besteht. Es beginnt schon ohne die Violinen, immer wieder prägen dunkle Streicher oder Bläser den Charakter, doch hat Suk einen grundsätzlich und ausweglos tragischen Charakter vermieden. Vielmehr liegen Erinnerungsmotive ebenso wie Hoffnungen in den Episoden der fünf Sätze, die lyrische Gesangselemente ebenso enthalten wie mahnende, klagende Melodien oder nicht enden wollende Schicksalsschläge (gedämpfte Trommel). Und Suk nutzte – wenn auch anders als Ravel – ausgeprägte Klangfarben für seine Schilderungen, verbindet bedrückende Beklemmung mit erlösenden Verheißungen.

Aleksandar Markovic spürte diesen Färbungen nach, lotete die Tiefen des unaussprechlichen, tragischen aus, ließ aber auch lyrischen Lichtgesang erblühen (Konzertmeisterin Heike Janicke mit mehreren Soli). Berückend waren die einzelnen Instrumentengruppen, etwa die Celli, die sich plötzlich aus dem Gewebe zu lösen schienen, und dennoch nicht aus dem Verbund fielen. Aleksandar Markovic sorgte für einen innere Zusammenhalt des Orchesters, blieb aber im ganzen doch etwas episodenhaft, was jedoch (wenigstens zum Teil) auch der kurzfristigen Übernahme und dem unbekannten Raum angerechnet werden muß. Schön, wie die Philharmonie auch mit vielen Gästen und Substituten ein klares, einheitliches Klangbild entwickelte.

14. März 2016, Wolfram Quellmalz

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