20 Jahre Carus Ensemble

Kammerkonzert auf Schloß Albrechtsberg

Seit seiner Gründung 1995 vereinigt das Carus Ensemble Musiker der beiden Dresdner Spitzenorchester und leuchtet in ganz unterschiedlichen Zusammenstellungen und Programmen die Welt der Musik aus vielen Blickwinkeln aus. Es ist auf Schloß Albrechtsberg ebenso zu finden wie im Schloß Wackerbarth – wobei der erstere Spielort als Kammermusikdomizil der Philharmonie häufiger bespielt wird.

Fabian Dirr (Klarinette) und Andreas Kuhlmann (Viola), die beiden Gründungsmitglieder, waren auch am Sonntag mit dabei. Ihnen zur Seite standen die Streicher Henrik Woll (Violine) und Daniel Thiele (Violoncello) sowie die Bläserkollegen Michael Goldammer (Oboe) und Philipp Zeller (Fagott). Das Programm gestalteten sie Carus-typisch und deckten von Wolfgang Amadeus Mozart bis Krysztof Penderecki über 200 Jahre Musikgeschichte ab, formierten sich dabei für jedes Stück neu.

So standen in der ersten Konzerthälfte Werke im Mittelpunkt, bei denen jeweils einer der Bläser vom Streichtrio begleitet wurde, wobei die Gewichtung der Stimmen durchaus unterschiedlich und variabel war. Während Mozart in seinem Quartett der Oboe vor allem in den Ecksätzen exponierte Passagen gönnt, die Michael Goldammer Gelegenheit gaben, sich in virtuosen Läufen immer weiter zu steigern, ohne daß er dabei je die Gesanglichkeit verlor, hat Krysztof Pendereckis darauf folgendes Quartett keinen so eindeutigen Solisten. Vielmehr vereinzelt er die Stimmen von Klarinette, Violine, Viola und Violoncello stark, spielt mit den Klangfarben. Vierstimmigkeit ist im Werk ebenso enthalten wie einzeln hervorgehobene Instrumente, dazu wechselt die Besetzung zwischen der im Klang unterschiedlichen A- und B-Klarinette. Ein Gegensatz, den er der Violine ebenso vorschreibt, nur ohne Instrumentenwechsel, sondern indem er sie in extremen Lagen spielen läßt. Sordiert näselnde Streicher erinnerten an orientalische Musik. Am Ende kehrt Penderecki wieder zum Ausgangspunkt zurück, zu langgezogenen Einzeltönen als Reduktion der Stimmcharaktere.

Auf den sinnenden Penderecki folgte vor der Pause das sinnliche »Andante und Rondeau ungarese« von Carl Maria von Weber (bearbeitet für Streichtrio von Mordechai Rechtmann), welches dramatisch und mit einem an Beethoven gemahnenden Schicksalsmotiv aufgeladen wird, bevor es sich im launigen Rondeau entlädt. Philipp Zellers Fagott erklang gleichermaßen virtuos wie brummelig keck.

Den formidablen Bläserklang konnte man nach der Pause mit der Intensität eines Trios von Oboe, Klarinette und Fagott in Alexandre Tansmans »Suite d’anches« genießen. Doch obwohl das Programmheft vermutet, daß Tansman für das Publikum der am wenigsten bekannte Komponist des Abends sein würde, war wohl Gustav Holsts Sextett e-Moll die größte Überraschung. Wann hört man schon einmal ein anderes Werk des britischen Komponisten als »Die Planeten«? An ein schwelgerisches, kurzweiliges Moderato schließt sich ein launiges Scherzo an, dem ein dunkles Adagio folgt, in dem das Carus Ensemble ein kleines Drama entfachte. Pizzicato startete es in das abschließende Allegretto mit malerisch gefärbten Variationen.

Fünf Stücke – fünf Welten, typisch Carus eben.

11. Januar 2016, Wolfram Quellmalz

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