Weihnachtlicher Bläserglanz

Blechbläserensemble Ludwig Güttler in der Dresdner Frauenkirche

Die traditionelle »Bläserweihnacht« bezog sich in diesem Jahr auf einige der traditionsreichsten kirchlichen Weihnachtslieder und Choräle. Viele davon sind in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach vertont worden, Ludwig Güttler stellte verschiedene Fassungen jeweils in Gruppen zusammen, zwischen die er prächtige Stücke für Blechbläser – meist noch um Pauken bereichert – plazierte.

Und so erklangen »Nun komm der Heiden Heiland«, »Wie soll ich Dich empfangen«, »Tochter Zion«, »Es ist ein Ros entsprungen« sowie »Vom Himmel hoch« in bis zu vier Fassungen, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammten. Schade nur, daß das Programmheft fast vollständig auf nähere Werkangaben (Opuszahlen, Nummern etc.) verzichtete und auch die Bearbeitungen nur spärlich benannte. So sind Beethovens Variationen über »Tochter Zion« beispielsweise ursprünglich für Violoncello und Klavier verfaßt und hier auf das Blechbläserensemble übertragen worden.

Auch nicht ganz glücklich war der unveränderte Standort der Spieler, welche sich im Altarraum aufgestellt hatten. Zwar wurden dadurch Sitzplätze im Kirchenschiff gewonnen, gerade bei den größer besetzten Stücken verschwammen so aber teilweise die Stimmen. Ein gemäßigteres Tempo hätte hier und da sicher geholfen, auch kennt man es sonst in der Frauenkirche und bei ähnlichen Voraussetzungen, daß zum Beispiel Solobläser auf der Orgelempore positioniert werden. Hier waren akustische Eintrübungen dem makellosen Spiel leider abträglich.

Den festlichen Charakter des Abends beschworen die elf Bläser und der Paukist um Ludwig Güttler schon mit Henry Purcells festlichem »Trumpet Tune« zu Beginn. Besonders eindrucksvoll gelangen aber die schlichteren und feineren Vertonungen wie von Michael Praetorius, sein Choral aus »Musae sioniae« oder eine fünfstimmige Canzona nach »Vom Himmel hoch«. Aber auch Johann Hermann Scheins Suite gelang mit Echowirkungen und ineinanderfließenden oder aufeinanderfolgenden Stimmen bestens. Und nach einer Canzona Orindio Bartolinos konnte man den aufsteigenden Ton im Kirchenschiff nachhallen hören – ein Genuß. Und: Auch wenn sich Ludwig Güttler manchmal aufs Dirigieren beschränkt, läßt er nach wie vor bei seinen Soli hinsichtlich eines intonationssicheren, sauberen Ansatzes nichts zu wünschen offen.

Mit drei Zugaben verabschiedeten sich die Musiker von ihrem Publikum und bewiesen, daß ihre Luft nicht nur zum Blasen reicht: »Herbei oh ihr Gläubigen« sangen sie als reiner Männerchor, verkündeten abschließend – nun mit halb Bläser, halb Sänger auch »Der Engel frohe Kunde«. Was für Puristen an einem Ludwig-Güttler-Abend aber auch nicht fehlen durfte: Jeremiah Clarkes Voluntary »Prince of Denmark’s March«.

29. Dezember, Wolfram Quellmalz

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