Adventsstern der Singakademie Dresden

Vorweihnachtliches Konzert in der Annenkirche

Die Adventsstern-Konzerte der Singakademie Dresden gibt es seit 2004. Die Besinnung auf alte und neue Werke gehört zum Profil des Chores, schlägt sich aber auch stets in den Programmen des »Adventssterns« nieder, oft sogar mit Auftragswerken von Dresdner Komponisten. Nach den Auftritten der Vorjahre in der Lukaskirche und mit der Sinfonietta Dresden war der Chor am vergangenen Sonntag in der Annenkirche erstmalig mit einem a-capella-Konzert im Advent zu erleben. Ohne Uraufführung diesmal, aber mit modernen Werken, auch gab es einen thematischen Bezug – den Lobgesang Mariens.

Die Singakademie kann auf eine lange Tradition und Vorgängerchöre seit dem 19. Jahrhundert zurückblicken. Seit 1985 existiert sie in der heutigen Form, damals wurde auch der Kammerchor gegründet, der am Sonntag einen Teil des Abends allein bestritt. Gleichwohl handelt es sich um einen Laienchor, der seine Programme – mit viel Ambition – in wöchentlich Proben erarbeitet.

Um die musikalische Stütze eines Orchesters gemindert, zeigten sich in den anspruchsvollen Werken dennoch deutlich die Grenzen dessen, was die Singakademie vermag. So gleich zu Beginn in Einojuhani Rautavaaras »Magnificat«, das sich an die Zwölfttonreihe anlehnt, die Stimmen aufteilt und in unterschiedlichen Erzählströmen voranschreiten oder auf Textzeilen verharren läßt. Wie in vielen Chören sind die Frauenstimmen bei der Singakademie in der Überzahl, im Konzert waren sie auch akustisch dominant, zuweilen unangenehm scharf.

Ausgewogener und musikalisch auch »zentrierter« zeigte sich anschließend der Kammerchor mit Werken Heinrich Schütz‘ (Meine Seele erhebet den Herrn, SWV 426) und Christian Erbachs (Magnificat), ließ aber mit Henry Purcells englischsprachiger Magnificat-Vertonung auch dessen sprichwörtlich orphischen Gesänge verströmen. Arvo Pärts Werk, neben Rautavaara das zweite aus dem 20. Jahrhundert an diesem Abend, entsteht – anders als die übrigen Magnificat – ohne Lob-Jubel aus der Stille. Pärt teilt den Chor, trennt Solo bzw. Duette zwischen Solo- und Chorstimmen, formt Schmerzensschrei (an diesem Abend sehr schrill) statt Glück.

Auch dem Großen Chor lag Heinrich Schütz (Ein deutsches Magnificat 494) sichtlich näher als Rautavaara. Er zeigte sich in fünf Werken, meist Lobgesängen, Johann Eccards auch stimmlich ausgewogener.

Der »Adventsstern« war nicht nur thematisches Zentrum des Konzerts, sondern auch in der Form eingeschlossen – mit Kern und umgebender Strahlenhülle. So wurde Einojuhani Rautavaaras »Magnificat« abschließend noch einmal wiederholt, gelang nun – wenn auch kräftezehrend für die Sänger – besser, vor allem die Einpassung der daraus hervorragenden Textpassagen, die zum Teil auch gesprochen werden.

14. Dezember 2015, Wolfram Quellmalz

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