Meisterkonzert auf Schloß Albrechtsberg

Giuliano Carmignola & Friends

Den Titel »Giuliano Carmignola & Friends« konnte man auch weiter fassen. So war Giuliano Carmignola bereits mehrfach in Dresden zu Gast, als Konzertmeister des Festspielorchesters wie der Philharmonie, und auch sein Mitspieler und Lautenist Ivano Zanenghi ist als Mentor des Jungen Musikpodiums Dresden-Venedig schon oft hiergewesen. Gemeinsam mit dem Cellisten Francesco Galligioni und dem Cembalisten Davide Pozzi trafen sie sich im Kammermusiksaal auf Schloß Albrechtsberg zu einer besonderen Musizierstunde im Rahmen der »Meisterkonzerte«. Zwar ist die Elbe kein »Canale« und liegt unterhalb des Schloßberges, aber als die vier Musiker mit Nicola Porporas Sonata G-Dur begannen, fühlte man sich ein wenig in einen venezianischen Palazzo versetzt…

Giuliano Carmignola war zwar als Hauptakteur der Dreh- und Angelpunkt des Abends, dennoch ging dem Ensemble das gemeinsame nicht verloren. Gerade in der Aufteilung der Begleitstimmen lag eine große Vielfalt, eine gesangliche Cellostimme ebenso wie das silbrige Glitzern von Cembalo oder Laute. Eine Vielfalt und Vielgestaltigkeit hatten aber auch die Werke, denn es gibt bei weitem mehr als barocke, an der Kirchensonate orientierte Stücke mit vier Sätzen im Format langsam-schnell-langsam-schnell.

Nicola Porporas Sonate entsprach diesem Schema als einzige, Giuliano Carmignola ließ stehend manche Schluchzer erklingen, verzierte aber die Violinarie auch mit reichlich (schönen) Schnörkeln, um gleich darauf eine Suite aus Sätzen Nicola Matteis anzustimmen. Die Töne verschleifend und auf zwei Saiten flirrend begann er zunächst allein, die Sarabande amorosa sang die Violine dann verliebt bis in tieferen Lagen des Alt, wozu die Laute als Erzählerstimme begleitete. In der anschließenden La Vecchia Sarabande (Der alten Sarabende) fanden die vier Musiker furios zusammen. Auch Antonio Vivaldis Sonata RV 10 war weit von einer Uniformität entfernt, leitete Sätze mit einem Cembalo-Präludium oder einem Lauten-Intro ein, um dann musikalisch zu brillieren.

Schon bei seinem letzten Besuch in der Frauenkirche (Dresdner Philharmonie) hatte Giuliano Carmignola Bearbeitungen Olivier Fourés gespielt. Im Gegensatz zu den Werken damals wirkten die drei für Violine und Basso continuo gesetzten Klaviersonaten Domenico Scarlattis um einiges glücklicher und näher am originalen Charakter.

Mit einer Erzählung im Miniopernformat schloß der offizielle Programmteil. Leider fehlte im Programmheft, das die Komponisten würdigte, ein Hinweis zum Inhalt Emanuele Barbellas Sonata B-Dur. Den Sätzen nach ist es die Geschichte einer Komödiantengruppe. Nachdem Giuliano Carmignola zunächst Arie und Antwort allein spielte, verschmolzen Violine und Violoncello im Wiegenlied zu einem innigen Duett. Mit einem fröhlichen Kehraus (Menuett) endete das Stück, aber nicht der Abend.

Während zu Beginn die Intonation hier und da noch unsicher und wackelig war, kamen Giuliano Carmignola und seine Freunde immer besser in Fahrt und entfachten mehrfach musikalisches Feuer. Nach so viel italienischem Funkenglanz ließen sich die Musiker zu drei Zugaben aus einer Sonate Francesco Maria Veracinis nicht lange bitten.

9. Dezember 2015, Wolfram Quellmalz

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