Vorweihnachtliches Konzert

Kammerorchester der Dresdner Philharmonie in der Frauenkirche

Die italienischen, pastoralen Weihnachtskonzerte gingen aus der Tradition der weihnachtlichen Hirtenmusik hervor. Werke Arcangelo Corellis, Giuseppe Sammartinis oder Giuseppe Torellis, die wir mit einer besonders festlichen Stimmung verbinden, gehören dazu. Und auch jenes Francesco Onofrio Manfredinis, welches am Donnerstag zum Abschluß in der Dresdner Frauenkirche erklang. Aber schon mit Antonio Vivaldis Konzert für vier Soloviolinen Opus 3 Nr. 10 (RV 580) versetzte das Philharmonische Kammerorchester seine Gäste in festliche, weihnachtliche Stimmung. Johann Sebastian Bach hat Antonio Vivaldis Werke studiert und einige davon bearbeitet, für die Orgel etwa, Opus 3 Nr. 10 hat er für vier Tasteninstrumente gesetzt (in letzter Zeit wieder oft zu hören mit Helmut Schmidt, Christoph Eschenbach, Justus Frantz und Gerhard Oppitz). Gleichwohl kann man einen eigenständigen Charakter beider Werkfassungen feststellen. So ist Vivaldis Original deutlich leichter, festlicher – Violinen können eben jubilieren, wie es ein Klavier nicht vermag. Für das Kammerorchester jubilierten jene Violinen Wolfgang Hentrichs (auch Leitung), Antje Beckers, Markus Gundermanns und Andrea Dittrichs. Mit italieneischer Leichtigkeit spielten sie sich die musikalischen Impulse zu, aber auch die begleitenden Musiker ließen Glanz verströmen, den Winter leise klirren.

Auch Bach hat diese italienische Leichtigkeit beherrscht, wie sein Brandenburgisches Konzert Nr. 5 beweist. Die Solisten (Wolfgang Hentrich, Karin Hofmann – Flöte und Jobst Schneiderat – Cembalo) kommunizierten flink und behend‘ vor geschmeidiger Begleitung. Über weite Strecken (zweiter und dritter Satz) waren sie als spritziges Trio allein zu hören. Schon nach dem ersten Satz gab es einen Zwischenapplaus für das atemberaubende Cembalosolo.

Pēteris Vasks ist in Dresden durch viele Werke und auch Auftritte (der Komponist war schon einige Male selbst anwesend) bekannt. Gerade die Philharmonie hat mehrfach Stücke von ihm aufgeführt. Auch seine »Musica adventus« folgt dem gesanglichen Ansatz (Vasks schreibt viel für Chöre, sucht aber auch in der Instrumentalmusik einen »Streichergesang« [Vasks über Vasks]). »Musica adventus« tritt aus einer Dämmerung hervor, erwacht langsam in Wellen, und läßt in einer Suite nacheinander den Winter und dann ein Wintersonnenwendefest erstehen, bevor es wieder ebenso still in der Dämmerung verlischt. Das Philharmonische Kammerorchester fand Vasks gesanglichen Ton, jenen Streicherchor, der in Chorälen fließt. Immer wieder teilt Vasks das Orchester und läßt eine Begleitung zu den Chorälen erklingen, manchmal mahnend im Baß, dann wieder heller. Nach dem Höhepunkt im Mittelteil zirpt immer wieder eine Violine im Flageolett – ein Vogel, der vom kommenden Frühling kündet?

Mit Francesco Onofrio Manfredinis »Pastorale per il Santissimo Natale« ließ das Philharmonische Kammerorchester nach der nordischen Weite und dem Licht Pēteris Vasks‘ barocke italienische Festmusik strömen. Alexander Teichmann, Annegret Teichmann (Violinen) und Ulf Prelle (Violoncello, schon in RV 580 als Solist) sorgten sie für einen musikalischen Lichterglanz und Vorfreude.

Dem Programmtitel folgend legten die Musiker schließlich mit Arcangelo Corellis Adagio – Allegro – Adagio aus dessen »Concerto grosso fatto per la notte di natale« noch ein paar Extralichter dazu.

11. Dezember 2015, Wolfram Quellmalz

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