Preisträgermatinée in der Semperoper

Neues Ensemblemitglied Sebastian Wartig mit Nachwuchspreis ausgezeichnet

Preise hat der 26jährige Dresdner schon einige bekommen, bisher mußte er sich aber aktiv in Wettbewerben darum bemühen. Der Preis der Stiftung zur Förderung der Semperoper 2015 ist somit der erste, der ihm »zugefallen« ist. Die Stiftung setzt damit jedoch nicht nur auf Jugend und Zukunft, sondern auch auf Weitsicht und (selbst)kritisches Vermögen. Denn 2012 schon hatte man den Sänger ins junge Ensemble integrieren wollen. Damals lehnte er ab, weil er sein Studium in Leipzig noch intensivieren wollte. Ein Jahr später nahm er das Angebot schließlich an, seit Beginn dieser Spielzeit ist er festes Ensemblemitglied. Und hier war er nicht nur in für Nachwuchsrollen typische Produktionen wie »Moskau, Tscherjomuschki« oder »Nachtausgabe« zu erleben, sondern auch als Moralès in »Carmen« oder Melot in »Tristan und Isolde«. In dieser Spielzeit ist er als Kilian im »Freischütz« besetzt und wird Rollendebuts geben, wie den Belcore in »L’elisir d’amore«. Den Dresdnern ist er aber auch schon aus Konzerten bekannt, wie kürzlich einer Aufführung des Mozart-Requiems mit der Philharmonie.

Im Matinéeprogramm stand Sebastian Wartig außer zur Preisverleihung in Rollenausschnitten auf der Bühne. Als in Anbetung begriffener Valentin zum Beispiel (Gounods »Faust / Margarete«) oder in den Mozartrollen des Don Giovanni und des Grafen aus dem »Figaro«. Gerade hier bewies der Bariton Spiellaune und -freudigkeit und daß er nicht nur von der (tatsächlich) raumgreifenden Strahlkraft seiner Stimme zehrt, sondern auch verführerisch schmeicheln oder zornig blitzen kann. Auch mit Augenblicken weiß Wartig zu gestalten! Und nebenbei war er auch Partner der Musetta (»La bohème«), auch diese von einem neuen Ensemblemitglied gesungen. Emily Dorn gehört ebenfalls seit dieser Spielzeit dazu und fand sich kokett in die Rolle hinein. Auch muß man können: in einer Gala entwickelt sich nichts, hier muß man gleich »aufdrehen«.

Daß Semperoper und Stiftung, die nicht nur Preise vergeben, sondern gemeinsam Nachwuchs beobachten und sich beraten, nicht nur an morgen, sondern auch an übermorgen denken, zeigt das Junge Ensemble mit Jelena Kordić (»Carmen«) und Menna Cazel (Lehár: »Giuditta«). Gefördert wird aber auch Natsuki Yamada aus Japan, die von der Stiftung zur Förderung der Semperoper und dem Ehepaar Häussler ein Nachwuchsstipendium erhielt.

Doch nicht nur »Sängerschau« war diese Matinée, sondern auch Ausblick. Gespannt machen wollte man sein Publikum, und hatte zwei ganz große »Magneten« dabei: Camilla Nylund, die selbst 2000 mit dem Christel-Goltz-Preis ausgezeichnet wurde, wird im Juli als Tatjana in Peter Tschaikowskis »Eugen Onegin« an das Haus zurückkehren. Tatjana gesteht Onegin ihre Liebe, doch er ist nicht da, weshalb statt einer Arie »nur« eine Szene steht, in der sie ihr Herz sprechen läßt, sich selbst befragt, einen Brief schreibt. Es ist eine der berühmtesten und berührendsten Szene der Operngeschichte und wurde zur glanzvollen Ankündigung dessen, was uns im kommenden Sommer erwarten soll. Bereits vorher, am 6. Dezember, hat John Harbisons »The Great Gatsby« Premiere. Der Komponist, hier spätestens seit seiner Residenz beim Moritzburg Festival bekannt, hat ein neues Werk geschaffen, das – versprach Moderatorin Anna Melcher – Robert Redford oder Leonardo Dicaprio vergessen lassen wird. In zwei Ausschnitten agierte die Staatskapelle (Leitung: Rainer Mühlbach) schon einmal mit amerikanischem Sound, an Bigband, Broadway und Bernstein erinnernd. Jelena Kordić – gänzlich gewandelt – und Aaron Pegram fühlten sich darin sichtlich wohl – cool bleiben! Die Musik versprühte herben Charme und hat reichlich Verführungskraft – man darf gespannt sein.

16. November 2015, Wolfram Quellmalz

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