Nicolaus Bruhns zum 350. Geburtstag

Die Hochschule für Kirchenmusik Dresden hat neben ihren knapp 30 Studenten noch einmal etwa genausoviel Gäste, die eine nebenberufliche Ausbildung, eine Erweiterung oder Fortbildung absolvieren. Hier wie da steht die Musik vor allem für den kirchenpraktischen Gebrauch, also vor allem für die Liturgie der Gottesdienste oder Vespern, im Mittelpunkt, die Leitung von Chören, Kantoreien und das Singen selbst natürlich. Gleichwohl gibt es aber auch im Fach Orgel Studenten, welche es einmal bis zur Konzertreife bringen können.

Doch egal welche Ausbildungsrichtung und welcher Status – jeder gehört zum Hochschulchor. Chor und Organisten sind auch in Konzerten zu erleben, in Dresden, Pirna und der Umgebung gibt es jährlich mehrere Auftritte, dazu kam in diesem Jahr das von den Studenten selbst organisierte Kantatenprojekt 2015 (unsere Rezension: https://neuemusikalischeblaetter.wordpress.com/2015/04/24/vielfarbiges-licht/).

In der vergangenen Woche fand ein Symposium zum 350. Geburtstag des Komponisten Nikolaus Bruhns statt. Das besondere Augenmerk lag dabei auf dessen Orgel- und Kantatenschaffen und entsprechenden Kursen. Schon am Dienstag konnten auch Besucher an einem Vortrag mit Musikbeispielen in der Loschwitzer Kirche teilnehmen. Wolfgang Zerer ist Professor für Orgel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, lehrt aber als Dozent auch an der Schola Cantorum Basiliensis. Den Dresdner Studenten vermittelte er nicht nur den Komponisten Bruhns, sondern vor allem den Zugang zu dessen Werk, also auch den praktischen Gebrauch von Quellen und den Umgang mit dem Instrument.

Ein weiterer Höhepunkt der Tage war ein Konzert am Donnerstag, wiederum in der Loschwitzer Kirche. Nicolaus Bruhns stammt aus einer norddeutschen Musikerfamilie, wobei man ihm nach damaliger Zugehörigkeit der Geburts- und Lebensorte genausogut dänische Wurzeln zusprechen muß. Bruhns war ein großer Virtuose und Künstler, auch Johann Sebastian Bach schätze sein Werk sehr. Leider jedoch verstarb Bruhns mit gerade einmal 31 Jahren, zudem sind nur wenige seiner Werke erhalten. Der Hochschulchor brachte, unterstützt vom Dresdner Barockorchester sowie Gertrud Günther (Sopran), Britta Schwarz (Alt), Thomas Seidel (Tenor) und Sebastian Richter (Baß), brachte vier seiner Kantaten zur Aufführung. Außerdem spielten Martin Seidel (»Kleines Präludium« e-Moll), Rufus Broderson (Präludium G-Dur) und Jonas Nicolaus (von dem zum Kantatenprojekt auch eine Komposition erklungen war, »Großes Präludium« e-Moll) drei Orgelwerke.

Die reich ausgeschmückt Kantate »Ich liege und schlafe«, die mit einer Sinfonia-Einleitung beginnt, stand am Anfang des Konzertes. Wie auch »Die Zeit meines Abschieds ist vorhanden« bezieht sie sich auf im wesentlichen auf Bibelworte und setzt sich mit dem Tod auseinander, der jedoch im christlichen Verständnis als ein Ziel und Teil des Lebens gesehen wird. Ausgehend von der ich-Perspektive sind die Kanteten entsprechend weniger von Trauer und Schmerz erfüllt, sondern tragen auch musikalisch den Gedanken der Vollendung in sich, auch einen durchaus freudigen Ausdruck. Vor allem »Die Zeit…« hat auch einen beinahe fröhlichen Charakter, während der Abschied vom irdischen weniger ins Gewicht fällt. Der Hochschulchor brachte diese Worte verinnerlicht zum Ausdruck, aber auch klar verständlich – ein wesentlicher Anspruch, wenn man den voraussichtlichen Lebens- und Berufsweg der jungen Musiker bedenkt.

Auch die Begleitung des Barockorchesters erwies sich als angemessen, sowohl hinsichtlich Auszierungen und »Schmuck«, aber auch in einer schönen, untermalenden Baßbegleitung. Bei den Solisten bestachen vor allem (und mit großer Eindringlichkeit) Baß Sebastian Richter sowie Britta Schwarz, die der Loschwitzer Kirche schon in vielen Veranstaltungen verbunden war und es hoffentlich weiter bleiben wird.

Der Tod läßt sich im christlichen Verständnis nicht vom Gedanken der Auferstehung trennen. In der Madrigal-Kantate »Hemmt eure Tränenflut« hat Nicolaus Bruhns einen Text zum Osterfest verarbeitet. Der Hochschulchor bestach gerade hier mit klarer Diktion und Betonung, etwa einer Pause nach der Aufforderung »Nun höret auf ihr Drohen, Wüten, Morden,…« und ließ am Ende ein mehrstimmiges »Amen« im Raum verströmen.

Mit »Muß nicht der Mensch auf dieser Erden in stetem Streite sein« erklang abschließend eine frühe Komposition Nicolaus Bruhns‘, die – nun von Trompeten unterstützt – die prächtigste Besetzung hatte und somit einen feierlichen Abschluß des Konzertes, aber auch des Symposiums bildete.

13. November 2015, Wolfram Quellmalz

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