Großes Sinfoniekonzert mit Schülern und Studenten im Konzertsaal der Musikhochschule

Sinfonischer Höhepunkt im Jubiläumsjahr des Landesgymnasiums für Musik

Unter dem Titel »50 Jahre – 50 Konzerte« begeht das Sächsische Landesgymnasium für Musik Carl Maria von Weber Dresden sein Jubiläum in diesem Jahr nicht nur feierlich, sondern auch ausgesprochen musikalisch. In Musizierstunden, Jahrgangskonzerten, Recitalen, Kinderopern und in Verbindung mit Tanz finden die jungen Musikerinnen und Musiker Podien, ihr beachtliches Können zu zeigen und gewähren Einblick in das Werden. Als Nummer 40 dieser Reihe fand am Sonnabend das – zumindest im sinfonischen Sinne – größte Vorhaben dieses Jahres statt. Für zwei Werke von außerordentlicher Klangfülle brauchte es viele Mitspieler, und so fanden sich Mitglieder des Jungen Sinfonieorchesters sowie des Hochschulsinfonieorchesters zu einem gemeinsamen Sinfoniekonzert im Konzertsaal der Musikhochschule zusammen. Erfahrungsgemäß ist der Zuspruch von Zuhörern und Angehörigen der Schüler zu solchen Veranstaltungen überaus groß, weshalb das Konzert am Sonntag wiederholt wurde.

Mit Peter Tschaikowskis Violinkonzert hatte man sich ein Prachtstück ins Programm geholt, aber auch ein Standardwerk für all jene, welche sich der Violine zugewendet haben und dieses Instrument studieren möchten. Diesen Weg ist die Solistin Victoria Wong bereits ein Stück gegangen. Die gebürtige Australierin kam 2013 ans Landesgymnasium nach Dresden und erhielt Unterricht bei Prof. Jörg Faßmann, mittlerweile studiert sie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Tschaikowskis funkelnden Meilenstein nahm sie zunächst ganz zärtlich unter den Bogen, schmückte ihn mit kleinen Schluchzern und Verrückungen, schaffte Betonung aber auch gerade durch Zurücknahme. Selbst Profis lassen sich zuweilen verleiten, dieses Konzert mit berstender Virtuosität zu meistern und das Publikum zu beeindrucken. Victoria Wong ließ sich dazu nicht hinreißen. Zahm war das aber keineswegs, wie nicht erst das furiose Finale bewies.

Dirigent Wolfgang Behrend war dabei ein kommunikativer Partner, der nicht nur mit der Solistin, sondern auch mit dem Orchester viel durch Augenkontakt lenkte und auf übertriebene Gestik verzichtete, eher bestärkte als bremste.

Schon bei Tschaikowski hatte das Orchester mehr als eine schlichte Begleiterrolle und trug einige Soli bei, noch mehr traf dies aber bei Mussorgskis »Bilder einer Ausstellung« zu. Maurice Ravel hatte den Klavierzyklus orchestriert und so ab 1922 wesentlich zur Verbreitung der Suite beigetragen. Natürlich ist Mussorgski der Schöpfer des Werkes, der die Bildbeschreibungen erdacht hat, dennoch erscheint die Bezeichnung »Orchestrierung« hier untertrieben. Denn der Klangmagier Ravel, der auch in den »Bolero« Raffinesse und Beschwörungsseligkeit legte, hat mit ungeheurem Reichtum Mussorgskis Farbenpracht auf der großen Palette vermehrt. Diese (Palette) nahm das Orchester dankbar auf, solistisch, in Duos und Gruppen Puzzleteilchen der Bilder auszumalen, mit sauberen Bläsern, vibrierenden Streichern, Glöckchen. Hee-Chuhn Choi – ein Alumnus der Dresdner Musikhochschule und seit diesem Jahr Chefdirigent des Jeonju Symphony Orchesters – sorgte dafür, diese Klangfarbenpracht zu koordinieren. So konnte das junge Orchester nicht nur mit Begeisterung überzeugen, sondern ebenso mit Präzision der Solisten und einem fein justierten Zusammenspiel aller Musiker.

8. November 2015, Wolfram Quellmalz

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