Köstliche Neuauflage

»Arabella« in der zweiten Saison in fast vollständig neuer Besetzung

Florentine Kleppers Inszenierung ist nach einem Jahr noch nicht angestaubt, im Gegensatz zum Hotel, in dem sich Arabella, die Tochter des Grafenpaares Waldner, und der reiche Mandryka kennenlernen. Von Glanz zeugen nur noch Säulen, Stuck und edle Metalle, doch selbst von der Ferne sind Stockflecke zu erkennen – es war einmal. Man wartet, daß die guten Zeiten wiederkehren, daß »etwas« passiert, die verschuldete Familie wieder zu Geld kommt. Wodurch? Durch Erbschaft natürlich oder Verheiratung der Tochter Arabella – wie sonst? (Man ist mondän!) Angespannt wartet die Gräfin Adelaide (Janina Baechle), die sich von einer Wahrsagerin (Irmgard Vilsmaier) aus den Karten lesen läßt auf das »Etwas«.

Nur zwei Vorstellungen von »Arabella« gibt es im Rahmen der Dresdner Richard-Strauss-Tage, dafür übernimmt Christian Thielemann wieder den Stab. Beinahe sämtliche Rollen sind umbesetzt worden – wie schon in der vergangenen Saison mit hochkarätigen Gästen. Im Oktober gab Bo Skovhus den Mandryka und blieb Thomas Hampson in manchem erstaunlich nahe, legte die Figur aber noch lyrischer an. Mit bewahrtem jugendlichen Feuer, aber auch der Reife einiger Erfahrungen, leichtem, äußerlichen Grauschimmer der Perücke, gab er der Figur eine von innerer Glut zehrende Leidenschaft. Skovhus‘ Mandryka hatte ein wenig Resignation dessen, der die Anzeichen des Scheiterns kennt. Doch letztlich blieb es bei einem Schwanken, nach turbulenter Faschingsnacht renken sich alle Mißverständnisse wieder ein, bekommt er seine Arabella.

Diese, nun von Anne Schwanewilms gegeben, konnte vor allem in den Höhen brillieren, während ihr in mittleren und tieferen Lagen Volumen fehlte. Schwanewilms‘ Arabella ist mehr verwöhntes, junges Mädchen, weniger kokett. Wenn sie den Grafen Lamoral als »Bub« bezeichnet und fortschickt, fehlt ihr dazu eigentlich die Souveränität. Ihre Stärken lagen dafür in den lyrischen Passagen der Szenen mit Mandryka im zweiten und dritten Akt.

Genia Kühmeier gelang von Beginn eine kernige Zdenka, die auch als »Zdenko« verkleidet betörte. Das ließ auch deshalb aufhorchen, weil es nicht ins Ohr »stach«, sondern jugendlichen Glanz hatte und ganz prächtig mit dem Orchester zusammenpaßte. Da konnte man nicht nur am Ende die Figur, sondern die ganze Stimme ins Herz schließen!

Neckisch, schlitzohrig, brummbärig, gewitzt, ohrenschmeichelnd und schla-wienerisch war Kurt Rydls Graf Waldner. Er gab den triebhaften, krankhaften Spieler mit Schäh und Charme – eine großartige darstellerische Leistung! Mit sonorem, farbenreichem und leidenschaftlichem Baß bestach Rydl, aber auch mit müheloser Verständlichkeit. Allein für ihn lohnte es schon, die Vorstellung zu besuchen!

Doch nicht nur dafür, denn auch die Grafenrollen (Elemer: Martin Homrich, Dominik: Derek Welton – neben Irmgard Vilsmaier die einzige Besetzung aus dem Vorjahr, Lamoral: Clemens Unterreiner) waren fein gewählt, Íride Martinez sorgte als Fiakermilli für »Feuer« auf dem Ball.

Der Faschingsball scheint irgendwie schief, grotesk – ein Traum? Schimären? Alles ist aus den Fugen, das Hotelfoyer ebenso wie Arabellas und Mandrykas eben getroffenes Eheversprechen. Gottlob – der Spuk läßt sich wegwischen, auch ein Duell wird abgesagt.

Herrlich spielte die Staatskapelle auf, umfing die Sänger keck und geschmeidig. Prächtig, wie Hörner und Fagotte in den Liebesduetten spielten, wie erlösend sich die Holzbläser zum Finale erhoben. Dort unten, im Orchestergraben, da ist der Glanz eben nicht verblaßt wie oben im Hotel – Klasse!

18. Oktober 2015, Wolfram Quellmalz

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