Musicalischer Cosmos

Dresdner Kreuzchor blättert im eigenen Geschichtsbuch

Statt der Vesper gab es an diesem Sonnabend in der Kreuzkirche ein Konzert, welches sowohl zum Internationalen Heinrich-Schütz-Fest als auch zum Heinrich Schütz Musikfest zählte. Roderich Kreile hatte dem Chor, der sich zu jedem Schuljahresbeginn nach den Abgängen der Abiturienten und den Neuzugängen der Jüngsten ja erst »finden« und zumindest zu einem Teil regenerieren muß, schon wieder zu Höchstform verholfen und bereitete beiden Festen, vor allem aber den zahlreichen Konzertbesuchern, wahren Genuß.

Der »musicalische Cosmos«, welcher dem Programm den Namen gegeben hatte, bezog sich nicht allein auf jene hochverehrten Tonsetzer, Sterne des Komponistenhimmels, sondern im besonderen auf Sethus Calvisius, einen umfassend gebildeten Gelehrten – Komponisten, Mathematiker, Astronomen. Als Thomaskantor wirkte er in Leipzig, Johann Hermann Schein, ein ehemaliger Dresdner Kapellknabe, folgte ihm später nach. Drei Kompositionen Calvisius erklangen am Sonnabend mit dem Kreuzchor.

Ohne Heinrich Schütz ging es natürlich nicht. Vier Werke aus seinen »Psalmen Davids« von 1619 standen auf dem Programm, dazu ein Teil der »Symphoniae Sacrae III«. Zwei-, drei- und vierchörig oder für sechs Stimmen waren sämtliche Werke des Abends. Da hieß es nach jedem der Stücke, den Chor umzugruppieren, was reibungslos klappte. Die Vielfalt der Kompositionen verweist nicht ganz nebenbei auch auf die Qualität, welche die Knabenchöre aus Dresden und Leipzig damals schon gehabt haben müssen. Ob mit feierlichem oder gedämpften, dankbaren Charakter – die Kruzianer brachten jedes der Werke zum Leuchten. Am meisten beeindruckten sie in Schütz SWV 31 »Ich hebe meine Augen auf«, wofür vier intonationssichere und betörend klare Solisten, begleitet von der Laute, aus dem Chor hervortraten. Während der Chor den Einzelstimmen zunächst antwortet, vermischen sie sich im weiteren Verlauf stärker. Michael Praetorius Motette »Kommt herzu, laßt uns dem Herrn frohlocken«, konnte mit einer Feierlichkeit beeindrucken, die der Kreuzchor in Johann Herrmann Scheins »Das Wort ward Fleisch« sogar noch steigerte.

Ebenso berückend die Begleitung durch die Cappella Sagittariana Dresden, deren Zinke und Posaunen kein bißchen grell waren. Chor und Cappella zeigten sich damit von ihren besten Seiten.

4. Oktober 2015, Wolfram Quellmalz

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