Vor Schütz

Musik der Dresdner Hofkompositeure beim Heinrich Schütz Musikfest

Im zweiten Konzert des diesjährigen Heinrich Schütz Musikfestes ging das Sächsische Vocalensemble unter der Leitung von Matthias Jung noch einmal bis über einhundert Jahre in der Geschichte vor die Amtszeit Heinrich Schütz‘ zurück. Johann Burgstaller, Lukas Bergholz und Thomas Stoltzer hatten im 15. und 16. Jahrhundert gewirkt, auch Josquin Depres. Die instrumentale Begleitung der Zeit mutet heute teilweise archaisch an. Als »Instrumenta Musica« sorgten Thomas Friedlaender mit dem Zink, Angelika Grünert auf der Viola da braccio sowie Ercole Nisini und David Joseph Yacus auf den Barockposaunen für eine stimmungsvolle Begleitung. Viele Instrumente, die mit »Wind«, also Luft, Töne erzeugen, mischten sie sich prächtig mit dem Vocalensemble. Matthias Jung hatte dies mit einer Positionierung in der vorderen Sängerreihe noch gefördert. Hier waren alle Solisten versammelt, während sich dahinter der Bogen der Chorsänger dicht anschloß.

Die »Missa Fridericus dux Saxonie« Josquin Depres‘ ist für uns ein gewichtiger Meilenstein der Musikgeschichte, der zeigt, wie sich polyphon mehrstimmige Vokalmusik und Cantus firmus Ende des 15. Jahrhunderts entwickelt haben. Die Teile der Messe bildeten den Rahmen des Programmes, worin Psalm-Motetten der anderen Komponisten eingeschoben waren.

Mit Dorothea Wagner (Sopran), Stefan Kunath (Alt), Christian Lutz (Tenor) und Felix Schwandtke (Baß) hatte das Sächsische Vocalensemble ein schlagkräftiges Solistenensemble zusammengestellt, welche sich mit dem zehnköpfigen Chor rege ergänzten. Schon mit Johann Burgstallers Psalm-Motette »Jauchzet dem Herrn alle Welt« stimmten sie engelsgleichen Gesang an, verloren sich aber nicht in Schönheit, sondern ließen auch Zorn funkeln und Vorwurf laut werden, wie in Valentin Rabs Motette »Seid ihr denn stumm«, welche der Landesherrschaft ganz klar Gottlosigkeit und Lüge vorwirft. In Johann Reuschs »Herre, es sind Heiden« gab es wiederum ein einleitendes Duo zwischen Dorothea Wagner und Thomas Friedlaender zum Genuß.

Während die mit deutschen Texten versehenen Motetten auf die Botschaft des Wortes und die Vermittlung der Musik zählen konnten, was dem Vocalensemble und den innig verbundenen Musikern in Jubel wie im Schreckensschrei eindrucksvoll gelang, spiegelte sich in Desprez‘ Messe die hohe polyphone Chorkunst wider. Das auf dem fünfteiligen, lateinisch gesungenen Text der Heiligen Messe aufbauende Stück begeisterte mit höchstem künstlerischem Ausdruck und dicht verwobenen Stimmen. Daß Sänger und Instrumentalisten gleichermaßen musikalische Pracht verströmten, war ein großer Gewinn des Abends.

3. Oktober 2015, Wolfram Quellmalz

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