Ein, zwei, drei… Musikfeste

Internationales Heinrich Schütz Fest und Heinrich Schütz Musikfest in der Dresdner Schloßkapelle eröffnet

Der Herbst begann ereignisreich für Musikfreunde in Dresden, und das selbst dann, wenn man sich auf die Musik Heinrich Schütz‘ konzentriert. Nachdem tags zuvor das Dresdner Kunstfest in der Schützkapelle zu Ende gegangen ist, wo schon am Dienstag Vertonungen Heinrich Schütz‘ mit dem Dresdner Kammerchor erklungen waren, gab es sozusagen nahtlos den Übergang zu den beiden Schütz-Festen. Selbst Bühne und Stühle hatten die Ordnung vom Vortag behalten.

Und doch war es erneut eine andere Welt, die man betrat. Nicht zuletzt ist gerade in der sogenannten Alten Musik mit ihren Instrumenten – Darmsaiten, Lauten etc. – die individuelle Ausprägung besonders groß. Die Cappella Augustana spielte mit Cembalo UND zwei (!) Orgeln, sowohl für die Melodieführung als auch für die Baßbegleitung, mit einem Dulcian (statt Fagott) und hatte für die Singstimmen die ebenfalls nicht alltägliche Kombination zweier Soprane und eines Basses ausgewählt. Auf dem Programm standen Texte, die ursprünglich zu ganz unterschiedlichen Anlässen entstanden waren. Insofern folgte der Abend keiner liturgisch geprägten Dramaturgie. Neben Werken Heinrich Schütz‘ erklangen solche Vincenco Albricis und Giuseppe Perandas, die beide Nachfolger von Heinrich Schütz bei der Dresdner Hofkapelle gewesen sind.

Auch Heinrich Schütz hatte den neuen italienischen Stil kennengelernt, zweimal war er in Venedig gewesen. Dennoch entwickelte er einen eigenen Personalstil und vertraute nicht allein auf die »Parodie«. Dem Wort verbunden, setzte er seine Mittel vergleichsweise sparsam ein, machte das Ohr damit aber auch empfindlicher und empfänglicher für kleine Nuancen der Betonung. Im Vergleich mit den Werken Vincenco Albricis und Giuseppe Perandas sollte man außer deren späterer Entstehungszeit – die Musik hatte sich auf Basis von Meistern wie Monteverdi und Schütz weiterentwickelt – aber auch die besonderen Umstände berücksichtigen. So fiel der dreißigjährige Krieg in Schütz‘ Amtszeit, was seine Werke wesentlich beeinflußte, sowohl die Geisteshaltung und Darstellung künstlerischer Ideen betreffend als auch die Möglichkeiten der Aufführung und Besetzung. Daß Vincenco Albricis und Giuseppe Perandas aus heutiger Sicht prachtvoller erscheinen, ist nicht verwunderlich.

In voller Sängerbesetzung erklang Vincenco Albricis »Ave Jesu Christe, Rex benedicte«, ein geistliches Konzert, dessen einleitende Titelzeile nach jeder der drei Strophen wiederholt wurde. Ebenso übrigens wie bei Giuseppe Perandas »Dic nobis Maria«, das später im Programm gespielt wurde. Viele der Werke waren »Symphoniae sacre« (geistliche Sinfonien) oder »geistliche Konzerte«, so auch die vier Stücke aus der Feder Heinrich Schütz‘. Dabei lotete die Capella Augustana die Feinheiten und Tiefen der Stimmen jeweils fein aus, gestaltete sinnlich bis dramatisch. Eine instrumentale Sinfonia Vincenco Albricis zum Beispiel erfuhr durch Tempovariationen und kleine Dehnungspausen eine dramatische Zuspitzung im dritten Satz, aus der sich das Finale entwickelte.

In die Farbigkeit der Instrumente paßten sich die Singstimmen von Monica Piccinini, Alena Dantcheva und Antonio Abete wunderbar ein. Während die Soprane Tragfähigkeit bewiesen und vor allem mit warmen Strahlen und maßvollen Verzierungen überzeugten, beeindruckte der Baß durch die Melodiösität, die er auch noch in der Tiefe entwickeln konnte, jedoch auch mit der Bewältigung Perandas melismatischem Parcours (»Quo tendimus mortales«). Dieses, immer wieder auf die Sterblichkeit und den Schöpfer hinweisende Stück, drückt den Zuhörer nicht nur mit Ermahnung nieder, sondern spendet auch Zuversicht und Heil.

Und immer wieder spielte das Ensemble um den Leiter Matteo Messori mit den Mitteln der Gestaltung, brachte die Musik zum klingen – was im Rohbau der Schütz-Kapelle keine Selbstverständlichkeit ist. So wurde das Kontert vom Publikum – in dem einige Sänger saßen – erfreut aufgenommen. Als Dank gab es – nach zuvor ausschließlich lateinischen Texten – ein deutsches »Verleih uns Frieden gnädiglich« aus der Feder Marco Giuseppe Perandas.

2. Oktober 2015, Wolfram Quellmalz

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