Letztes Konzert des Dresdner Kunstfestes

»Profeti della Quinta« aus Israel in der Schloßkapelle

Wie am Tag zuvor an gleicher Stelle standen Psalmvertonungen auf dem Programm des Dresdner Kunstfestes. Doch statt eines deutschen Sängerensembles kam diesmal eines aus Israel, auch wurden die Texte auf Hebräisch oder Italienisch gesungen. Ein weiteres Mal also richtete das Kunstfest seinen Blick von Dresden in die Welt und holte sich die Welt als Gäste – ein weiteres Mal ließ sich ein zahlreiches Publikum anlocken. Nach 29 Konzerten hatte sich schon eine eingeschworene Gemeinde herausgebildet von Musik- und Kunstliebhabern, die viele der Veranstaltungen besucht haben, manche probierten hier und da, auch Dresdner Gäste waren dabei. Die wartende Gruppe am Tor der Schloßstraße war mittlerweile ein vertrautes Bild.

Die »Profeti della Quinta« haben sich auf Werke des 16. und 17. Jahrhunderts spezialisiert. Doron Schleifer, David Feldman und Roman Melish weist die Internetseite der Sänger als »Canto« aus, Lior Leibovici und Dan Dunkelblum als Tenöre, Elam Rotem als Baß. Gleichzeitig fungiert er als musikalischer Kopf und spielt bei Bedarf auch Cembalo. So scharf getrennt sind die Stimmlagen allerdings nicht. Mit meist zwei Counter-Stimmen klingt das Ensemble insgesamt vergleichsweise hell. Dazu kommt Ori Harmelin, der die Gruppe mit der Chitarrone begleitet und mit einem wunderbaren Solostück verzauberte. Meist das Ensemble zu fünft oder viert à capella, wobei im Gegensatz zu den am Vortag gehörten Schütz-Vertonungen mit exakter Stimmführung und polyphoner Mehrchörigkeit, Ausdruck und Modulation wesentliche Belebungselemente waren. Es schien, als vergäßen die Sänger das Publikum und bezögen sich nur ganz aufeinander und durchdrangen die Musik mit Wonnen, aber auch mit einer gehörigen Portion Schmäh.

Wichtigster Komponist des Abends war Salomone Rossi, ein italienisch-jüdischer Violinist, der lange in Mantua ansässig gewesen ist. Die Spuren seines erfolgreichen Lebens und Schaffens verlieren sich leider nach 1628 und wir wissen fast nichts von ihm und seinem verbleiben. Lange waren auch seine Werke verschollen – heute zeugen diese von einer enormen Qualität und der Bedeutung des musikalischen Zentrums von Norditalien auch für die jüdische bzw. hebräische Musik.

Nicht alles waren Psalmvertonungen im Konzert, auch Lieder waren dabei, mit Hingabe gesungene Liebes- oder Abschiedslieder von Ottavio Rinuccini, Giambattista Marino oder Giovanni Battista Guarini, in ihrer theatralen Wirkung kleine Opernszenen.

Es lag nicht nur am verhältnismäßig kleinen Raum und der Nähe zu den Sängern, daß hier eine intime, innige Atmosphäre entstand. Es lag an der Musik und der Wärme, mit der diese vorgetragen wurde. So wurden fremde Lieder und Psalmen vertraut – kein Wunder, daß es mehrerer Zugaben bedurfte, die vom Publikum energisch eingefordert wurden. Besonders schön geriet eine – von vier Männern dargestellt! – Liebes- bzw. Eifersuchtsszene, die mit zwei »gehe in Frieden« gehauchten Abschiedsgrüßen endete, die von Spott und Ironie jedoch nur so funkelten.

1. September 2015, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s