Sternstunde der Musik

Musikalisch-literarischer Abend mit Sebastian Knauer und dem Zürcher Kammerorchester

Das Zürcher Kammerorchester gehört zu jenen Klangkörpern, welche alljährlich in die Frauenkirche zurückkehren und immer wieder überzeugen können – hinsichtlich des Programmes ebenso wie in der Aufführung. Am vergangenen Sonnabend gaben sie eine erneute Kostprobe ihres Könnens ab. Für dieses Mal hatte sich das Orchester mit Sebastian Knauer als Solisten verbündet. Dessen Faible für literarische Programme und hier speziell für Bettina von Arnim hatte in den letzten Jahren zu Konzerten und einer CD-Einspielung mit Texten der Dichterin geführt. Partnerin dabei ist ihm Hannelore Elsner gewesen, die nun auch in Dresden aus Briefen über Musik, Goethe, Haydn und Beethoven las und die aufgeführten Werke ergänzte.

Mit Joseph Haydns 30. Sinfonie begann das Orchester, das diesmal ohne Sir Roger Norrington angereist war. Konzertmeister Willi Zimmermann leitete – so wie in der Zeit der Werke durchaus üblich – vom ersten Pult. Und wieder einmal schafften es die Zürcher, Haydns Werk zum Leuchten zu bringen. Aufs Feinste verwoben, geradezu filigran waren die Streicher, luzide formten Bläser ihre Motive. Bei so viel Maß und Takt konnte sich die Musik leicht entwickeln, zeigte sich Haydn als Meister der Menuette.

Nach einem weiteren Lesungsteil folgte Wolfgang Amadeus Mozarts letztes Klavierkonzert. Mit dem Rücken zum Publikum spielte Sebastian Knauer, also mit dem Gesicht zu seinen Musikerkollegen. Dies war der innigen Verbundenheit beider dienlich, die Führung überließ der Pianist weiterhin dem Konzertmeister. Und was sich schon bei Haydn angekündigt hatte, wurde nun weiter ausgesponnen. Jetzt mit Sebastian Knauers samtig-weichem Anschlag, der sich mühelos mit dem Orchester verwob. Allein die Überleitungen zwischen den Partnern waren an Geschmeidigkeit kaum zu übertreffen, »organisch« könnte man sagen, wenn es nicht so unmusikalisch klänge. Leicht gedämpft schienen sowohl Orchester als auch Klavier, jedoch nicht wie in Trauer verhüllt, sondern wie das matte Schimmern von Perlmutter.

Dies fand auch nach der Pause seine Fortsetzung mit Beethovens B-Dur-Konzert. Silbrig brillierte Knauer mit der rechten Hand, wozu die linke mit kernigem Baß grundierte. In Stimmung und Ausdruck waren Pianist und Orchester derart verwoben – das war atemberaubend! Glänzend auch die Kadenzen, welche Knauer mit goldenem Händchen funkeln ließ. Das war Spannung pur, die an keiner Stelle des Konzertes unterbrochen wurde. Träumerisch erklang das Adagio, mit gezupften Streichern, als würde Raffael den Engeln der Sixtinischen Madonna das Wangenrot tupfen.

Doch nicht nur Samt und leichten Tüll präsentierte das Zürcher Kammerorchester, auch kernigen, durchdringenden Orchesterklang. So im Rondeau, welches energisch, alle Beethoven-Energien bündelnd, den Abend beschloß. Schade – keine Zugabe.

7. September 2015, Wolfram Quellmalz

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