Klangraum Frauenkirche

Marienvesper zur Zehn-Jahres-Feier des Chores

Nicht nur der große Chor – Liszts Graner Messe erklang am 12. Juni, die Neuen (musikalischen) Blätter berichteten – auch der Kammerchor der Frauenkirche feiert sein Jubiläum. Auch er wurde 2005 von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert gegründet und bereichert seit dem das kirchenmusikalische Leben. Sein Schwerpunkt liegt auf sakralen A-cappella-Werken, vor allem auf jenen des 17. und 18. Jahrhunderts. Claudio Monteverdis »Marienvesper« steht am Beginn dieser Zeit, verbindet die Stile und Formen der Musikliteratur nach 1600. Nicht sakrales Oratorium, sondern vielmehr eine Zusammenstellung verschiedener geistlicher Werke des Komponisten ist die Vesper, gleichermaßen »für Kapellen und Fürstengemächer geeignet«. Mit Solisten, den Stimmen des Chores sowie einem großen und vielfältigen Instrumentarium reichhaltig ausgestattet, läßt sie sich also auch als weltliche Festmusik aufführen. Matthias Grünert hatte sich – wohl dem feierlichen Anlaß folgend – für eine »Maximumvariante« entschieden, will sagen: die den Psalmen vorangestellten Teile, welche bei Monteverdi ad libitum sind, nicht nur im Werk belassen, sondern mit den erfahrenen Sängern des Liturgischen Singkreises Jena auch vortrefflich besetzte. Ihre Gegengesänge ließen sie von der Orgelempore schweben. Zur Klanggestaltung im Raum gehörten aber auch der Einsatz von Echos (der Tenöre wechselseitig) sowie die Gruppierung der Chorstimmen im Altarraum. Wer kennt jeden (Klang)Winkel der Frauenkirche wohl besser als ein zum Hause gehörender Chor? Eben!

Die Choralschola der Hochschule für Kirchenmusik Dresden sorgte mit alten Instrumenten incl. Zink und Dulzian für historisch informiertes Musizieren. Schon im einleitenden Deus ad adjuvandum zeigten sich Chor und Instrumentalisten gut ausbalanciert – tragende, erfüllende Musik, sowohl in räumlicher als auch sinnlicher Hinsicht.

Monteverdis Marienvesper enthält A-cappella-Teile ebenso wie solche mit einfacher Baß-, aber auch mit ausgeschmückter Begleitung oder instrumentale Einleitungen. Immer wieder sorgen getragene, geradezu stille Passagen für einen ruhigen Erzählfluß, während die reichhaltigen vor allem den feierlichen Charakter des Werkes unterstreichen. Mit zunehmendem Verlauf steigert sich dieser, in der Frauenkirche durch Barockposaunen, Flöten und Harfe betont. Doch auch sonst war Matthias Grünert viel an musikalischer Gestaltung gelegen, wie etwa dem rhythmisch-prägnanten Psalm 121 (Laetatus sum).

Als Solisten hatte der Kammerchor Ina Siedlaczek, Ute Selbig (beide Sopran), die Tenöre Eric Stoklossa und Michael Schaffrath sowie Baß Tobias Berndt verpflichtet. Auch diese Stimmen ergänzten sich, nicht nur in den Echos, sondern auch in den mehrstimmigen Gesängen, wenn sie auch nicht immer auf gleichem Niveau blieben. Besonders klar und von raumfüllender Macht und Sinnlichkeit war Ute Selbigs Sopran.

Doch war es ein Jubiläumskonzert, welches dem Chor galt. Dieser gab sich ganz dem Klang-Gedanken und dem vielgestaltigen Werk hin, hatte gleichermaßen erzählend wie jubilierend zu singen. Der Text der Marienvesper schließt Lobgesang ebenso ein wie Bitte und erinnerte Gleichnisse, »Ehre sei dem Vater…« wird nach jedem der fünf Psalmen und dem Magnificat wiederholt. Besondere stimmliche Höhepunkt waren die verwobenen Gesänge zweier Seraphime (vor allem, sobald Matthias Berndt sich zu den Tenören gesellte) sowie der nacheinander auf Chor, Soprane, Baß und wieder Chor erstreckte Hymnus.

13. Juli 2015, Wolfram Quellmalz

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