Zwischen den Welten

Dresdner Bläserphilharmonie wandelt zwischen konzertanter Blasmusik, Volkslied und Jazz

Zum 10. Sinfonischen Bläserkonzert konnte die Dresdner Bläserphilharmonie die im Januar noch Wunsch gewesene Anschaffung eines Paukensatzes vermelden. Spenden der Besucher hatten ebenso dazu beigetragen wie der zweite Platz als Kulturverein des Jahres. Drei der fünf Pauken sind damit bereits bezahlt.

Die Musiker um Leiter Stefan Fritzen hatten das Konzert unter das Motto einer »Sommerreise« gestellt. Sie begann mit Alfred Bösendorfers – alias Kees Vlak – »Deutschlandbildern«, die Anleihen an Volksliedern nahmen. Einiges erkenntlich, manches verfremdet, anderes klang »als ob«. Zwischen »Horch was kommt von draußen rein« und »ein Männlein steht im Walde« gab es allerlei Schelmereien. »Silva Nigra« (»Schwarzwald«, der von den Bläsern auch besungen wurde), ein Werk Markus Götz‘, ließ nicht nur mit vielen Soli, sondern auch mit majestätischem Bläserglanz im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen – sind hier doch viele ehrenamtliche Musiker vereint, zwar mit professioneller Unterstützung, aber eben doch Laien. Hut ab!

Die Bläserphilharmonie widmet sich vor allem konzertanter Blasmusik, die unterhaltend sein kann, aber auch Anspruch stellt und klassische Einflüsse beinhaltet. Wie in der Slawischen Sinfonie Boris Koschewnikows. Diese greift fröhliche, tänzerische Elemente auf, beruht aber auch auf der Sonatenhauptsatzform.

Nach der Pause dann hieß es »alles Bolero«. Denn in allen folgenden Stücke (incl. der Zugabe) war er irgendwo enthalten: Wiederholungen des ostinaten Motivs, Steigerungen bis zu einem kulminierenden Abschluß, Klanganleihen an Ravel mit Trommeln und vielfältig gemischten Bläsern. Frank van Nooy, Mitglied der Sächsischen Staatskapelle, hat aus Bolero und »Kein schöner Land« eine charmante Synthese geschaffen, über weite Strecken (scheint) das Werk Original gelassen. Nur hat er eben das bekannte deutsche Volkslied gekonnt darin als Thema verankert. Und auch Klaus-Peter Bruchmanns »Crescendo« greift Ravels »Strickmuster« auf, beginnt ebenso mit Trommel und Flöte, verarbeitet dann aber eigenständige Themen und Klänge. Der Zusammenhang mit dem Bolero bleibt eher äußerlich, in der Form, auch hat der Komponist noch eine »Falle« für das Publikum eingebaut, denn sein Werk setzt nach dem scheinbaren Schluß noch einmal nach.

»Mit einem Ausflug in den Jazz« hatte das Programm Matthias Dörsams »Old World New World« angekündigt und dies mit der Erweiterung des Orchesters um eine Jazzband umgesetzt. Micha Winkler und Mitglieder der Dresden Bigband waren eingesprungen für den Dialog der beiden Welten. Dem Orchester fiel die Rolle zu, Elemente des Jazz aufzunehmen und zu verarbeiten, im Verlauf erschien das Werke jedoch etwas unübersichtlich und ziellos, stellte sich eine Wechselwirkung der beiden Orchester nicht ein.

Über die Leistung des Orchesters konnte man nur staunen. Kein Wunder, daß viel Publikum, auch junges und sehr junges, den Weg ins Hygienemuseum gefunden hatte. Dafür wurde es noch mit James Lasts »Morgens um sieben…« belohnt, worin, wenn auch versteckt, eine Spur Bolero zu finden war. Allerdings verklingt das Werk, das auch als Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Bandleader gedacht war, leise.

6. Juli 2015, Wolfram Quellmalz

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