Am Schmelzpunkt

Dvořák-Trio mit viel Herz

Das letzte der »Meisterkonzerte« in dieser Saison gehörte wie immer zu den Musikfestspielen. Jan Vogler, der für beide Reihen die künstlerische Leitung innehat, freute sich, nach längerer Zeit wieder einmal ein Klaviertrio begrüßen zu können.

Zu Beginn stand Joseph Haydns berühmtes »Zigeuner-Trio«, welches der Komponist für das ihn liebende Londoner Publikum geschrieben hatte. Ganz nach dessen Geschmack (und wohl auch dem des Komponisten) hatte er Elemente ungarischer Volksmusik im letzten Satz, einem Rondo All’Ongarese, verarbeitet, woraus sich der Name des Trios ableitet. Auch sonst steckt das Werk voller Einfälle und musikalischer Gefälligkeiten, hält sich aber an die damals bekannte Form des Trios. »Mit Perücke und Puder«, wie das Programmheft aussagte, aber eben auch mit Haydnschen Witz. Das Dvořák-Trio bewegte sich auf sicherem Parkett (was musikalisch gemeint ist und sich nicht auf den schrecklichen neuen Boden des Konzertsaales auf Schloß Albrechtsberg bezieht) und kostete Haydns Ideen in Maß und Musik aus, blieb dabei aber leider auch etwas »brav«. Trotz allen Liebreizes – etwas mehr »Pfeffer« hätte das Rondo vertragen!

Eingeschlossen in bekannte Werke hatten die tschechischen Musiker zwei skandinavische Stücke ins Programm aufgenommen. Der klangmalerische Ansatz des Dvořák-Trios kam Jean Sibelius‘ »Loviisa« (C-Dur) sehr entgegen. Hier verbinden sich romantischer und volkstümlicher Gestus, wird das Trio auch einmal gewinnend ins Ungleichgewicht gebracht, wenn etwa die Violine dominierend schwelgt oder wenn plötzlich das Klavier im zweiten Satz hervortritt und eine kleine Fuge entwickelt, bevor sich alle drei Instrumente wieder in Klangbildern versenken. Mit Feinsinn und die Genauigkeit legte das Dvořák-Trio solche Entdeckungen offen, sparte aber auch nicht mit süffigem Glanz.

Und schon war Pause – aber das ausgreifendste Werk stand dem Publikum noch bevor. Doch erst nach Edvard Griegs Andante con moto. Es ist der einzige Gattungsbeitrag des Norwegers geblieben, ein Studienobjekt des zwanzigjährigen Komponisten. Im Gegensatz zu den anderen Trios des Abends, welche die drei Instrumente stärker verweben, läßt Grieg zunächst das Klavier und später das Violoncello prominent hervortreten, streut Einsprengsel in den Triosatz, die manchmal schon impressionistisch anmuten. Das Dvořák-Trio betonte diese Struktur, bevorzugte klangliche Farbe gegenüber Motiven, ließ das Werk auch mächtig und rhythmisch anschwellen.

Bedřich Smetanas Trio in g-Moll, op. 15, liegt dem Dvořák-Trio sicher besonders am Herzen und war auch das Hauptwerk dieses Abends, der krönende Abschluß. Die Krankheit des Komponisten sowie der Tod der jungen Tochter haben die Entstehung stark beeinflußt. Schon die ersten Takte nehmen Abschied, sind eine von der Violine vorgetragene Klage. Trauer und Schmerz herrschen vor, Fröhlichkeit entsteht nur durch den Rückblick oder grotesk, im als Totentanz angelegten Finale. Die Interpretation des Dvořák-Trios geriet üppig, süffig, pulsierend, besonders schön die kadenzartige Passage des Klavieres, das zu phantasieren scheint, im ersten Satz, die Romanze der Violine im zweiten sowie des Violoncellos im dritten, mit dem es zur Thematik des ersten zurückkehrt. Das Dvořák-Trio ließ besonders Wehmut, Trauer und Tragik hervortreten, blieb zugunsten der Schönheit auch hier etwas brav.

Daß sie Klangbilder auskosten können, zeigten die tschechischen Musiker noch einmal in der Zugabe, Josef Suks »Elegie«. Fein nuanciert, wispernd, flüsternd, gesungen war sie ein passender Ausklang des Abends.

4. Juni 2015, Wolfram Quellmalz

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