Mit Begeisterung und Überschwang

Dover Quartet im Palais im Großen Garten

Im vergangenen Jahr war das Dover Quartet im Rahmen eines Austausches mit dem Curtis Institut schon einmal Gast in Dresden gewesen. Damals spielte es im Konzertsaal der Musikhochschulen Werke von Schubert, Barber und Mendelssohn. Ein Werk Barbers, der ebenfalls am Curtis Institut studiert hatte, ist auch Namensgeber des Quartetts.

In ähnlicher Konstellation hatten die vier Musiker das Programm für die Musikfestspiele zusammengestellt: Auf einen Wiener Klassiker, Mozarts »Hoffmeister-Quartett«, folgt mit Kaija Saariahos »Terra Memoria« von 2006 ein modernes Werk, den Abschluß bildete eines der Romantik, Edvard Griegs einziges vollendetes Streichquartett.

Volltönend klang Mozarts KV 499 durch den Raum und entfaltete seinen betörenden Reiz. Allerdings auch mit einem gehörigen Maß an Energie, manchmal war das Werk schlicht laut, gingen ihm die Feinheiten verloren. Darüber hinaus war der Gleichklang noch nicht hergestellt und vor allem zu Beginn in Richtung des Cellos verschoben. Die typische Mozartische Leichtfüßigkeit stellte sich nicht ein und fehlte besonders dem Menuett.

Seine Energie brachte das Quartett in »Terra Memoria« weitaus besser zur Entfaltung. Kaija Saariahos Werk spielt im Titel mit den Worten für »Erde« und »Erinnern« und ist im Gedenken verstorbener Menschen geschrieben. Das Werk beginnt und endet, einem Tagesablauf ähnlich, leise erwachend bzw. vergehend. Dazwischen werden Motive und Figuren der Streicher gegeneinandergesetzt, arbeitet Kaija Saariaho mit Wiederholungen und Veränderungen, tauchen Variationen phasenverschoben, moduliert oder verfremdet auf. Immer wieder aber kommt es zu Momenten des Wiedererkennens – Erinnerns. Über weite Teile folgt das Werk einem klagenden Gestus, der auch bis zum Schrei gesteigert wird, Pausen dienen dem Atemschöpfen. Das Dover Quartet konnte gerade hier mit seinem packenden Spiel das Werk gewinnend vortragen, trotz des oft kühlen oder mit negativen Gefühlsassoziationen spielenden Charakters. Aufbäumend setzte das Dover Quartet dem Vergehen und Vergessen vitale Kraft entgegen.

Auch Edvard Griegs Streichquartett g-Moll gestalteten die vier Musiker sehr packend, gingen mit viel Lust zu Werke. Grieg verkraftet den kräftigen Bogenstrich besser als Mozart, etwas mehr Maß hätte man sich trotzdem gewünscht. Das Dover Quartet legte aber wohl weniger Wert auf Nuancen als auf die dem Werk innewohnenden volkstümlichen Wurzeln. Dies wiederum gelang ihnen exzellent, was sich in purer Lebhaftigkeit niederschlug und für Begeisterung sorgte.

Als delikate, feine Zugabe wurde das Publikum mit dem Adagio aus Joseph Haydns op. 66 Nr. 1 belohnt.

19. Mai 2015, Wolfram Quellmalz

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