Impressionistischer Klangzauber

Antrittskonzert von Florian Uhlig

Im vergangenen Jahr schon ist Florian Uhlig zum Professor an die hiesige Musikhochschule berufen worden, jetzt holte er seinen ersten Auftritt im Konzertsaal des Hauses nach. Dabei präsentierte er aber nicht sich, sondern gab den Blick frei auf Musik, welche im Zentrum seines Wirkens steht, von Robert Schumann und Maurice Ravel. Gleichzeitig war Florian Uhlig als Kammermusiker bzw. Begleiter zu erleben, denn er hatte mit Céline Moinet (Oboe) und Julietta Demetriades (Sopran) zwei Partnerinnen eingeladen.

In zwei zyklischen Klavierwerken war Florian Uhlig rezital zu erleben: Maurice Ravels »Miroirs« (»Spiegel«) und Robert Schumanns »Carnaval«. Erstere sind, vor allem als Gesamtwerk, eine Seltenheit in den Konzertprogrammen. Florian Uhlig formte kleine Welten, unter seinen Händen erwachten Episoden in den Episoden zum Leben, die keines Titels bedurft hätten, denn die Klangbilder, die der Pianist schuf, gaben diese Titel geradezu zwingend wieder. Gleich im ersten »Noctuelles« tänzelten Nachtfalter durch die Dämmerung, welche durch viele Schattierungen der Dunkelheit führte, gab es aber auch lichte Momente, in denen es schwirrte, als würden Insekten eine Laterne umflattern. Ravels Bilder sind keine statischen Momentaufnahmen, sondern leben von den Facetten der Szenerien, von Stimmungswechseln und dem ständigen Wandel. Diese Details freizulegen ist eine Sache, sie in die Luft zu »malen« eine andere. Florian Uhlig gelang dies, samtig, glitzernd oder düster. Sein Boot (»La barque sur l’océan«) schaukelte mal ruhig, mal bedrohlich, mal mutwillig-lustvoll auf dem Meere. Gleich darauf neckte (zu später Stunde) das »Morgenlied des Narren«, hüpfend, scharf, schwarz, bevor Abendglocken das Kaleidoskop in ruhigeren Gefilden beschlossen. Die Palette der Temperamente war groß, um so wohliger, daß der Pianist diese auch zu trennen wußte. Auch das Ausklingen lassen, das Setzen von Pausen gehört zur Gestaltung – hoffen wir, daß Florian Uhlig diese oft vernachlässigten Klaviertugenden seinen Studenten vermitteln wird.

Geradezu plastisch, farbig, irisierend, gestalteten Florian Uhlig und Julietta Demetriades »Cinq mélodies populaires greques« – noch eine Seltenheit. Auf Anregung des Musikwissenschaftlers Pierre Aubry hatte Ravel zunächst für zwei griechische Volkslieder die Klavierbegleitung geschaffen, 1904 waren es schließlich fünf Stücke. Diese verbinden die ursprüngliche Volkstümlichkeit der Melodie, bereichern sie aber um die Kunst, Erzählungen in Musik umzusetzen. Die Begleitung folgt hier nicht schlicht der Stimme, sondern zeichnet Schattierungen und Details. Julietta Demetriades erzählte von Begebenheiten, alten Weisen, legte aber auch die Aufgeregtheit der Erwartung und der Hoffnung am Hochzeitsmorgen hinein. Florian Uhlig zeigte sich – wie auch eingangs bei Schumanns Romanzen op. 94 mit Céline Moinet, als einfühlsamer Begleiter, stetig spürend, wohin ihn die Sopranistin oder Oboistin führte.

Robert Schumanns »Carnaval« ist ebenfalls als zyklisches Erzählwerk angelegt, doch zeichnet es statt Episoden und Szenen vor allem ausgeprägte Charaktere, Temperamente. Florian Uhligs Blick auf Schumann ist ein vertiefter. Klar und scharf konturierte er nicht nur Eusebius und Florestan, Pierrot und Arlequin, wurde gleich zu Beginn geradezu heftig, sondern schlenderte auch verträumt über die Promenade und ließ zum Schluß Davidsbündler und Philister aufeinanderprallen.

Feingliedrig und ausdrucksstark schuf Florian Uhlig aus Miniaturen sinnliche Meisterwerke und wußte, feine Nuancen zu unterscheiden. Zum Abschluß – wohl als Reminiszenz an seine Wahlheimat London – gab es Variationen über das Thema »God save the King« – frei nach Beethoven.

5. Mai 2015, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s