Diesmal verlängert: Museums-Matinée

Die Reihe der Apéro-, Museums-Matinée- bzw. Blaue-Stunde-Konzerte, welche im Programm der Philharmonie verankert wurde, als man den Kulturpalast verlassen und sich einer Vielzahl von Spielorten zuwenden mußte, wird vom Publikum gut angenommen. Geschätzt werden am Format unter anderem, daß es Sonntagskonzerte vor dem Abend gibt. Ohne Pause sind die Konzerte aber meist nach einer guten Stunde vorüber – hier wünscht sich mancher mehr. Das Programm um den Gast Christian Zacharias am vergangenen Wochenende kam dem schon einmal entgegen, neben einem Klavierkonzert Wolfgang Amadeus Mozarts und einer Sinfonie Joseph Haydns wurde zudem wieder ein besonderes, weniger oft gespieltes Stück aufgeführt: Igor Strawinskys »Danses concertantes«. Christian Zacharias hatte diese in die Mitte des Konzerts gelegt.

Mit Mozarts 19. Klavierkonzert F-Dur (KV 459) gab es ohne ein Ouvertürenstück gleich zu Beginn einen Höhepunkt, dem sich Christian Zacharias als Pianist und Leiter widmete. Perlend und klar geriet sein Spiel, doch auch sehr nüchtern. Feinsinnig kehrte er Motive und Miteinander von Solist und Orchester heraus, dennoch blieb der Klang vor allem in den ersten beiden Sätzen beinahe matt. Dem dritten Satz verlieh Christian Zacharias vor allem mit der linken Hand Akzente, etwas mehr Inspiration hätte man sich an diesem Sonntagvormittag dennoch gewünscht.

Diese stellte sich dann bei den »Danses concertantes« zunehmend ein. Symmetrisch im Aufbau, greift das Stück auf Elemente des Tanzes zurück (und wurde auch schnell für Ballettszenen verwendet). Mehr und mehr kehrten die Philharmoniker hier tänzerische Einwürfe heraus, gaben dem Werk vor allem in den lebhaften Ecksätzen Puls. Mit nur wenigen Streichern (Anzahl im Gegensatz zu Mozart halbiert) zeichneten sie aber auch die Feinheiten der ruhigen »Pas d’action« und »Pas des deux« nach.

Und schließlich Haydn. Nun mit ordentlich Verve, ließen die Philharmoniker die Sinfonie 93, welche zu den »Londoner« zählt, ordentlich funkeln. Haydns Witz und Einfallsreichtum leuchtete durch sämtliche Instrumentengruppen, so blieb es auch den Bläsern nicht allein vorbehalten, für Überraschungen zu sorgen. Auch die Streicher bereicherten, sanft getupft, sorgten aber vor allem für das sinfonisch tragenden Gewebe, aus dem Haydn seine Einfälle purzeln läßt – das in die Stille rufende Fagott hätte gar nicht so deutlich vom Dirigenten »aufgefordert« werden müssen. Eigentlich könnte man viele Sinfonien Joseph Haydns mit »Überraschung« oder »Surprise« übertiteln. So auch die Londoner D-Dur-Sinfonie, denn plötzlich – und nun in G-Dur – erklingt ein Streichquartett. Und dies so feinnervig (Heike Janicke, Markus Gundermann, Christina Biwank und Matthias Bräutigam), daß man auch gerne das ganze Quartett gehört hätte. Doch Haydn führte uns wieder zurück in die Sinfonie. Im dritten Satz ließ er die Violinen hinreißend und wienerisch jubilieren.

Schon am Mittwoch geht es weiter im Hygienemuseum. Dann ist Martin Helmchen, »Artist in Residence« in seinem letzten Saisonkonzert zu erleben. Diesmal mit Kammermusik, unter anderem Franz Schuberts »Forellenquintett«. Am gleichen Tag wird die neue Intendantin Frauke Roth zum ersten Mal eine Saisonvorschau präsentieren. Wir sind gespannt!

4. Mai 2015, Wolfram Quellmalz

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