Mit Augenzwinkern: Mozart und seine Freunde

Albrecht Mayer in Dresden

Eine Oboe kann gemein klingen, wenn man es darauf anlegt oder nicht versteht, sie zu spielen. Wenn man es versteht, klingt sie schön – das allerdings genügt noch nicht!

Atmung, loslassen, es – als Spieler – selbst genießen, richtig stehen, all das sind wichtige Voraussetzung, die Albrecht Mayer den Studenten seines Meisterkurses am Sonntag zu vermitteln versuchte. Und immer wieder – Luft. Ohne Luft »lebt« kein Ton. Immer wieder argumentierte er und kam auf diesen Punkt zurück, auf das Singen letztlich. Luftschlösser mögen Traumgespinste sein, auf Luft bauen kann man trotzdem – Töne. Wie dies klingen kann, war am Sonnabend bei einem Konzert in der Frauenkirche zu erleben.

Der angebliche Mangel von Oboenkonzerten, vor allem aus der Mozartzeit, war es, der Albrecht Mayer angetrieben hatte, sich selbst auf die Suche zu begeben. Er ist fündig geworden, und das reichlich. Vier der weit über einhundert entdeckten Werke hat Albrecht Mayer mit der Kammerakademie Potsdam nun auf CD gebannt und spielt sie auch im Konzert. Im vergangenen Mai war er damit bereits beim Sächsischen Mozartfest in der Kreuzkirche Chemnitz zu Gast (damals mit dem Projektorchester: https://neuemusikalischeblaetter.wordpress.com/2014/05/12/eroffnung-des-sachsischen-mozartfestes-mit-albrecht-mayer/), nun kam er mit seinem Aufnahmepartner nach Dresden.

Franz Anton Hoffmeisters Konzert in C-Dur ist ganz klassisch angelegt, streicht das Gegenüber von Solist und Orchester heraus. Albrecht Mayer und die Kammerakademie hoben diese Zweisamkeit besonders hervor, wobei das Orchester dem Oboisten, der auch die Leitung innehatte, bereitwilligst und aufmerksam folgte. Nicht nur wegen der gebundenen Sätze kam das Werk flink daher, auch steckt es voller aufstrebender Motive und Triller. Frühlingshaft klingt es, und selbst das Adagio scheint zu drängen und steckt voller Versprechungen und Vogelgesänge (da war sie – die Luft!). Albrecht Mayer spielte mit der Raumakustik, »rief« ins Kirchenschiff, dafür »echoten« die Kammermusiker im dritten Satz herrlich, einmal folgsam, einmal »frech mit viel Blech«. Man kann sich gut vorstellen, daß schon die Komponisten (incl. Mozart) an ihren Werken (gegenseitig) viel Spaß hatten.

Joseph Fiala – ebenfalls ein Mozartfreund und nur weniges älter als die beiden Kollegen – hat ein Konzert geschrieben, das seiner Zeit teilweise schon weit vorausweist. Albrecht Mayer hat es für die Stimme des Englischhorns eingerichtet (von Es-Dur nach C-Dur). Solist und Orchester sind bei Fiala schon stark verwoben, das Soloinstrument also nicht immer so exponiert heraus- bzw. gegenübergestellt wie zur damaligen Zeit üblich. Vor allem im zweiten Satz ist dies spürbar, in dem das Orchester über eine begleitende und ergänzende Rolle hinauswächst und ihn auch ohne den Solisten abschließt. Mit dem nasaleren, gedeckteren Ton des Englischhorns klingt das Konzert teilweise exotisch, beinahe orientalischen (oder orientalisch imitierenden). Ein elegisches Konzertmeistersolo (Peter Rainer) wiederrum erinnerte noch an die Concerto-grosso-Mode, die mehreren Solostimmen Platz eingeräumt hat.

Und gleich noch einmal durfte das Englischhorn singen, in Mozarts nur als Fragment überliefertem Adagio-Satz KV 580a. Raffinesse in der Komposition und Finesse in der Ausführung – da betrat doch eine Primadonna den Raum für ihre Liebesarie! Albrecht Mayer und die Kammerakademie hatten sich gut auf die Frauenkirche eingestellt, Tempi angepaßt, betonten aber auch gerade die leisen Passagen. Auch diese brauchen Luft – da war sie wieder! – dann werden sie zum Leben erweckt, schweben sie. Die Bässe gaben dafür den Puls.

Und über allen – Haydn. Seine Sinfonie Nr. 94 (eigentlich müßte sie »mit dem Überraschungseffekt« heißen) erblühte unter Albrecht Mayer frisch, so daß der bekannte »Paukenschlag« auch heute noch wirkte. Wenn man ihn so vorbereitet, macht er jetzt ebensoviel Spaß wie schon vor über 200 Jahren. Der Variationssatz gab den zahlreichen Bläsern und Streichern Gelegenheit hervorzutreten – immer mit Haydnscher Heiterkeit, auch das Menuetto hatte schon viel von einem fröhlichen Kehraus und war nicht nur Überleitung zum Schlußsatz.

Nachhören kann man zwei der vier Konzertwerke auf der CD. Luft holen, loslassen und – genießen.

27. April 2015, Wolfram Quellmalz

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