Vielfarbiges Licht

Licht erhellt uns die Dunkelheit auf ganz unterschiedliche Weise, dies schlage sich auch in der Musik des Kantatenkonzertes nieder, hatte Willy Schüller, einer der Dirigenten, zur Begrüßung dem Publikum erläutert. Diese Vielfarbigkeit wollten die Studenten im »Kantatenprojekt 2015« in Klang umformen und hatten sich mit Kommilitonen der Musik- und Theaterakademie Litauens aus Vilnius sowie von der hiesigen Hochschule für Musik verstärkt. Die litauischen Orgelstudenten hatten zudem zwei neue Orgelstücke mitgebracht.

Auf Johann Sebastian Bach kann man bei Kantaten natürlich schwer verzichten, doch war sein BWV 138 »Warum betrübst du dich, mein Herz« nur eines von fünf Werken. Mit Dietrich Buxtehudes »Fürwahr, er trug unsere Krankheit«, Johann Kuhnaus »Gott sei mir gnädig«, Jonas Nikolaus »Osterkantate« (erst tags zuvor in der Radebeuler Lutherkirche uraufgeführt) sowie Max Regers »Meinen Jesum laß ich nicht« schlug das Programm eine Brücke vom 17. / 18. ins 20. / 21. Jahrhundert. Die Studenten gaben den Werken über die rein inhaltlichen Aussagen hinaus lichte musikalische Charaktere: Zuversicht bei Buxtehude und Bach, Bitte und Hoffnung bei Kuhnau und eine (hoffende) Frage bei Nikolaus. In Regers Kantate verschmolzen Text und Klang zu einer Zuversicht, die einem Erlösungsversprechen nahekam.

Das etwa 80 Minuten lange Programm war so vielseitig wie anspruchsvoll und brachte den einen oder anderen Gesangssolisten auch an seine Grenzen. Besonders schön, warm und Zuversicht verkündend gestaltete vor allem Baß Georg Streuber seine Partien. Emotional aufgeladen wirkte Tenor Philipp Polhardt, strich den »süßen Trost« (Bach) sehr schön heraus, war aber auch noch unsicher und hätte insgesamt stärker differenzieren können. Die Frauenstimmen wurden klangschön von Nanora Büttiker (Alt) und Kerstin Döring (Mezzosopran, in Kantaten eher selten besetzt) dargeboten. Dorothea Wagners Sopran klang zunächst noch zu zart, auch hatte sie bei Nikolaus‘ in Dresden erst zum zweiten Mal aufgeführtem Werk Schwierigkeiten, dafür geriet ihre Partie bei Max Reger klar und strahlend – voller Zuversicht und Licht.

Jede der Kantaten wurde von unterschiedlichen Studenten geleitet. Deren Nähe zum durch litauische Studenten verstärkten Chor zeigte sich vor allem in der Selbstverständlichkeit, mit der sie den Werken das Licht in vielen Farben verliehen. Als gestaltungssichere und -freudige Unterstützung erwies sich das kleine Orchester. Besonders innig waren die bei Bach in den Chorälen erklingenden Singstimmen der beiden Oboen (Daniela Endmann, Sarah-Julia Klinnert). Diana Linke (Violine) und Maria Kaiser (Viola) erfüllten diese Aufgabe bei Reger gleichermaßen glücklich.

Zwischen die Kantaten gebettet erklangen zwei kurze Orgelwerke. Die Neukompositionen von Kristupas Bubnelis (Fuge in d-Moll) und Simas Sapiega (»La joie des morts«, etwa »Spiel der Toten«) wurden in Dresden erstmalig aufgeführt (in Radebeul wurde tags zuvor eine Toccata Agné Mažulienė gespielt). Lolita Liamo betonte auch hier den lichten Charakter der Fuge, die auf einem Grundthema aufbauend langsam erweitert wird und Gesangslinien entwickelt. Milda Atminaitė gab im zweiten Orgelwerk auch Leichtigkeit: aus sphärischen, zirpenden Windklängen und tieftönenden Kommentaren entwickeln sich spielerische, ineinander verschlungene Motive und Ornamente. Das Stück endet offen, wie mit einer Frage (was denn nun kommt) und nicht mit einem »Abschluß«.

20. April 2015, Wolfram Quellmalz

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