1. Kammerabend der Giuseppe-Sinopoli-Akademie

Von Fritz Busch einst als »Orchesterschule der Sächsischen Staatskapelle« ins Leben gerufen, dient die Akademie heute nicht allein der Nachwuchsförderung, sondern maßgeblich dazu, ihn auch ins Orchester zu integrieren. Seit 2011 ist trägt sie den Namen des ehemaligen Chefdirigenten der Staatskapelle. Wer genau hinsieht oder die Konzertprogramme liest, entdeckt einzelne Akademisten bei den Orchesterauftritten, nur spezielle Projekte auf der Probebühne »Semper2« sind ihnen allein vorbehalten, wie die Oper »Nachtausgabe« von Peter Ronnefeld. Am Mittwoch gab es auf Wunsch der Akademisten das erste eigenständige Konzert. Schon vorab war zu vernehmen, daß daraus ein regelmäßiges Format entstehen soll. Mit im Publikum saßen übrigens einige Mitglieder der Staatskapelle – teils als Kollegen, teils als Tutoren.

Derzeit umfaßt die Akademie achtzehn Mitglieder, manche Instrumente (Violen) sind gar vakant. Ein Konzert im Kammerformat liegt da nahe und erlaubt, sich in Formation und Stil verschieden zu präsentieren. Auf der anderen Seite ist man damit eigentlich außerhalb des »Kernrepertoires«. Die rege Tätigkeit des Tonkünstler-Vereines war hier aber sicher Vorbild und Orientierung.

Von einem beschwingten Quintett für Bläser in B-Dur von Franz Danzi über eines für Streicher Antonín Dvořáks (das berühmte in G-Dur, op. 77) bis hin zu Martinů, Debussy und Jolivet reichte die Palette der aufgeführten Werke. Daß gerade solche übermächtigen Stücke wie Dvořáks Quintett noch Feinschliff vertrügen, sich der runde, wiegende, böhmische Gestus noch nicht ganz entfalten konnte, verwunderte niemanden – solche Feinheiten im Maß auszuarbeiten bedarf es viel Aufwendung (Zeit) und Konzentration auf die Kammermusik, etwas weniger Baß hätte es aber doch sein dürfen. Besonders schön gelangen aber schon jene Abschnitte, die von der feinen Ausarbeitung und dem aufeinander abstimmen profitieren, wie das Trio des zweiten Satzes sowie der dritte.

Den wohl prägendsten Eindruck hinterließ Diego Aceña Moreno. Der Flötist hatte schon in Danzis Quintett, das vor allem die Stimmen der Oboe und der Flöte herausstellt, überzeugen können und nahm auch im zweiten Konzertteil besondere Aufgaben wahr, so in Bohuslav Martinůs Trio für Flöte, Violoncello und Klavier und den abschließenden »Chant de Linos« für Flöte, Harfe und Streicher von André Jolivet. Klangsicher und mit gestalterischem Geschick spielte er sozusagen die erste Flöte (Was etwas ungerecht ist, man soll doch Lerche UND Nachtigall zuhören!). Dazwischen woben Claude Debussys »Danses« für Harfe (auch mehrfach im Einsatz: Markus Thalheimer) und fünf Streicher luftig durch den Raum. Letztlich waren es aber weniger die Soloauftritte, sondern eine Vorstellung aller in unterschiedlichen Stücken, die den Abend bestimmten. Vom geliebten Dvořáks bis zu Jolivets »Klangfäden« vermittelten die Akademisten vor allem Spielfreude, Kurzweil und gute Aussichten. Auf ein neues!

17. April 2015, Wolfram Quellmalz

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