Gratulation mit Mozart

Peter Rösel und die Cappella Musica Dresden

Das war selbst für die Konzertreihe der Meisterwerke – Meisterinterpreten ein Sonderkonzert, das aus dem Rahmen fiel: Peter Rösel als Gast und das mit zwei Mozart-Konzerten. Erst kürzlich hatte er solche mit den Dresdner Kapellsolisten auf CD gebannt – leider für den hiesigen Klassikfan wohl nur auf Umwegen zu erreichen. Im Februar feierte der Pianist seinen 70. Geburtstag – auch ein Grund zum Feiern.

Auf dem Festtagsprogramm standen die beiden Klavierkonzerte A-Dur (KV 414) und Es-Dur (KV 449) von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Ballsaal des Hotels Königshof natürlich nicht mit den Kapellsolisten, sondern in einfacher Besetzung – so wie es das Köchelverzeichnis benennt: zwei Violinen (Susanne Branny, Jörg Kettmann), Viola (Michael Schöne), Baß (Andreas Priebst, Violoncello, Helmut Branny, Kontrabaß); die Bläser (zwei Oboen, zwei Hörner) sind »ad libitum«. Für die Kammermusikreihe hatte man die Besetzung mit fünf Streichern und Klavier gewählt.

Unterhielt man sich in der Pause mit Besuchern, so kannten viele Peter Rösel seit Jahren, Jahrzehnten. Was sie unabhängig voneinander feststellten: Der Pianist ist sich treu geblieben – bescheiden, unprätentiös, zurückhaltend, ein jungenhaftes Lächeln ist ihm erhalten geblieben. All dies findet man auch in seiner Musik wieder. Uneitel, unprätentiös, zurückhaltend spielte Peter Rösel Mozart, legte aber auch ein Lächeln in dessen Musik, die von Akkuratesse in den Läufen gleichermaßen geprägt war wie von Leichtigkeit, Heiterkeit. Ohne Übertreibung gerät Mozart am besten, eindrucksvollsten, da perlt er. Sich treu bleiben, keinen Moden unterworfen sein, über Jahre bestehen – musikalische Qualität eben.

Die Cappella Musica Dresden begleitete ebenso perlend, imitierte kein Orchester, sondern ließ die kammermusikalische Schlichtheit immer wieder durchschimmern. Gerade in den langsamen Mittelsätzen entfaltete sich dieser Charakter – man kann Jubiläen rauschend feiern oder stiller, von innen heraus. Peter Rösel und die Cappella Musica Dresden gingen am Sonntag den letzteren Weg.

Mittenhinein hatten die Musiker ein Werk von nicht minderer Leuchtkraft gesetzt: Joseph Haydns »Kaiser-Quartett« mit dem wohl berühmtesten Haydn-Thema, der Kaiser-Hymne. Die Verehrung Mozarts und Haydns war gegenseitig und hatte nicht zuletzt gegenseitig gewidmete Quartette zur Folge (wozu allerdings nicht das »Kaiser-Quartett« gehört). Die Variationen des Kaiser-Themas bestehen vor allem aus ständig wechselnden, ineinandergreifenden Streichtriogruppen – wie schon bei Mozart gelang der Cappella Musica dieses aufeinander beziehen glanzvoll. Besonders lebhaft, tänzerisch, geriet das Menuett.

Daß »leise« und »schlicht« die Leuchtkraft mozartischer Musik um nichts mindern, bewiesen Solist und Kammerorchester nach der Pause ein weiteres Mal mit großer Selbstverständlichkeit, weshalb es ohne eine Wiederholung des Schlußsatzes nicht ging. Und da auch dies nicht genügte, präsentierte Peter Rösel – nein, keinen »Knallbonbon« – das letzte Stück war das erste Mozarts: das Menuett Köchelverzeichnis Nr. 1. Uneitel, unprätentiös, glänzend.

13. April 2015, Wolfram Quellmalz

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