Es mal richtig krachen lassen…

Duo-Nachmittag mit Yuki Manuela Janke und Johannes Wulff-Woesten in der Villa Teresa

Yuki Manuela Janke hat schon in (sehr) jungen Jahren viel erreicht. Wie bei vielen jungen Talenten werden ihre Erfolge auf den Programmzetteln meist aufgezählt. Hin und wieder kann einen da wohl die Lust überkommen, es auch mal wieder zu zeigen, und zwar so richtig! Denn nicht Pablo de Sarasates »Zigeunerweisen« oder Camille Saint-Saëns »Introduktion und Rondo capriccioso« oder Maurice Ravels Rhapsodie »Tzigane« stand auf dem Programm des Duo-Nachmittages Ende Februar, sondern alle drei Werke (!). Mit Franz Schuberts »Rondo brillant« in h-Moll und Johannes Brahms‘ zweiter Violinsonate war der Schwerpunkt des Programmes in die Romantik gelegt, einzig die einleitende Sonate G-Dur (HV XV, 32) Joseph Haydns fiel aus diesem Rahmen. Doch auch sie erhielt eine romantische Färbung.

Die Violinistin nahm gleich Haydns Sonate mit rauhem Strich, herbe, kitzelte auch hier schon virtuose Effekte hervor, spielte mit »Pfiff«. (Leider ließ sich das Publikum aber auch verleiten, jeden Satz einzeln zu beklatschen – das ist man an diesem Ort nicht gewöhnt!) Johannes Wulff-Woesten war das Konzert über ein sicherer Begleiter, auch wenn ihm – schon durch die Programmauswahl – diesmal wirklich ein wenig die beigeordnete Rolle eines Begleiters zugewiesen war, während Yuki Manuela Janke virtuos auftrumpfen konnte. Dies nahm der Pianist aber auch ganz uneitel hin und applaudierte der Kollegin berechtigt. Daß beide Partner, nicht zuletzt gestalterisch, für diese Musik unverzichtbar sind, zeigte sich schon in Schuberts »Rondo brillante«, aus dem das Duo ein kleines Drama erschuf.

Doch dann kam, worauf wahrscheinlich die meisten gewartet hatten: de Sarasate und Saint-Saëns. Yuki Manuela Janke spielte beides mit Verve, ließ Schluchzer in den Zigeunerweisen erklingen und rauschte kapriziös durch Saint-Saëns‘ Rondo – ein kleiner Sturm war da ausgebrochen!

Nach der Pause gab es einen ganz anderen Gipfel zu erklimmen: Johannes Brahms‘ Sonate für Violine und Klavier A-Dur. Sauber und romantisch erklang das so anspruchsvolle Werk. Ich kenne Musikfreunde, die können auf den »Schmelz« bei Brahms nicht verzichten – ich kann das wohl, denn leicht fängt er zu »triefen« an. Trotzdem: mehr Innigkeit hätte ich mir hier gewünscht, doch muß man auch unterscheiden zwischen Kammermusikpartnern, die sich auf eine feste Formation konzentrieren und solchen, die sich nur gelegentlich treffen.

Mit Ravels »Tzigane« – hier ist der Pianist (bzw. im Original das Orchester) lange Zeit dazu verdonnert, dem brillierenden Kollegen zu lauschen – trumpfte Yuki Manuela Janke noch einmal richtig auf. Virtuosität und »Caprice« sind eben mehr als nur Launen und Technik – können muß man es auch!

Da hatte die junge Violinistin, auf die das Programm durchaus zugeschnitten war (doch wer wollte hier von Ungerechtigkeit sprechen?) einmal so richtig die musikalische S… nein, das verbietet sich hier zu schreiben, aber wo Barthel den Most holt, hat sie uns gezeigt: im Geigenhimmel – sei es ihr gegönnt!

All jene, denen eines der drei »Feuerwerkswerke« genügt und die sich weniger expressive Stücke gewünscht hätten, beglückten Yuki Manuela Janke und Johannes Wulff-Woesten zum Schluß noch mit dem »Cantabile« Niccolò Paganinis – für mich das schönste Stücke dieses Konzertnachmittages!

1. März 2015, Wolfram Quellmalz

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