Erhörte Musikgeschichte

Das Kammerorchester der Versöhnungskirche Dresden-Striesen, welches sich aus professionellen Musikern und Laien zusammensetzt, stellt vier bis sechs Programme im Jahr zusammen und führt diese auch in Konzerten auf. So am vergangenen Wochenende, als unter der Leitung von Margret Leidenberger Werke Johann Sebastian Bachs, Johann Joachim Quantz‘ und Johann Christian Bachs aufgeführt wurden. Für Quantz‘ Flötenkonzert hatte man Franca Volke gewonnen, keine unbekannte Musikerin hier, die schon als Studentin durch zahlreiche Auftritte dem Dresdner Publikum bekannt wurde.

Von Vater Bach über Quantz zum Londoner Sohn Bachs folgte das Konzert dem Lauf der Zeit und der Stile. Johann Sebastian Bach schuf mit seiner Orchestersuite in C-Dur (BWV 1066) ein Stück Unterhaltungsmusik – Unterhaltung im höfischen Sinn wohlgemerkt. Zeitlich läßt sie sich nicht sicher zuordnen, entstand aber – vermutlich – während der Weimarer oder Köthener Jahre, also zwischen 1708 und 1723. Trotz Unterhaltung ist das Stück bemessen, gelockert-gesetzmäßig, können die Kunsttänze der Sätze eigentlich nicht getanzt werden. Streng ist das Werk deshalb noch lange nicht – Bachs arithmetische Struktur entfaltet ihren Klangzauber mit Meisterschaft, und auch das Kammerorchester brachte es zum Leuchten, vor allem in der Ouvertüre und im Menuett.

Im Mittelpunkt stand – sowohl im Programmablauf als auch in der Erwartungshaltung – Quantz‘ Flötenkonzert. Eine Generation nach Bachs Orchestersuite wohl zwischen 1740 und 1750 entstanden, atmet es den freieren Geist der Vorklassik und des galanten Stils und verbindet diesen mit der Virtuosität der Vorgänger und Zeitgenossen, wie etwa Vivaldi. Franca Volke und das Orchester waren sich in gewinnender Weise verbunden. Luftig, beschwingt und gesanglich (vor allem im Mittelsatz) klang das Flötenkonzert – Brillanz muß nicht andere übertrumpfen und schließt Harmonie auch nicht aus.

Wolfgang Amadeus Mozart war nicht nur ein großer Komponist, er war auch ein großer Kenner und Erkenner, und er verkannte andere Komponisten nicht, von denen er zum Beispiel gelernt hatte. Neben Carl Philipp Emanuel Bach schätzte er auch besonders (den von seinem Vater mißtrauisch beäugten) Johann Christian Bach, der ihn anläßlich einer Londonreise in ersten Kompositionsversuchen für seine Klavierkonzerte unterstützte. Den Geist der Zuwendung und Öffnung hat Johann Christian Bach auch seiner Sinfonia g-Moll (in den 1760er Jahren entstanden) mitgegeben. Noch mit Cembalo und Basso continuo besetzt, weist sie schon den Weg zur klassischen Sinfonie. Und noch einmal ließen die Streicher die vorklassischen Klänge erblühen, tupften die Bässe samtig, dann war’s (fast) schon vorbei, das kurzweilige Konzert. Zuvor gab es als Zugabe aber noch einmal Quantz‘ ersten Satz.

9. Februar 2015, Wolfram Quellmalz

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