Sternenglanz vor dem 1. Advent

Alljährlich laden die Staatskapelle Dresden, die Stiftung Frauenkirche und das ZDF (sowie deren Partner und Förderer) namhafte Dirigenten und Solisten zum Adventskonzert in die Frauenkirche. Einen Tag später, zum eigentlichen Beginn der vorweihnachts- bzw. Adventszeit, wird eine Aufzeichnung des Konzertes im Fernsehen ausgestrahlt. Festlichkeit und Andacht spiegeln sich deutlicher im Programm wider als Stars, welche die größten Weihnachtshits singen. Hochkarätig besetzt ist das Konzert allemal.

Am vergangenen Sonnabend leitete erstmals Pablo Heras-Casado die Staatskapelle Dresden, als Solisten wurden Christiane Karg und Elīna Garanča verpflichtet. Einzig der dritte im Bunde, Joseph Calleja, mußte aus Gründen jahreszeitlich-witterungsbedingter Unpäßlichkeit passen, doch fanden die Veranstalter (auch das ein Wiederholungsfall) mit Yosep Kang gleichwertigen Ersatz. Das Aufgebot der Musiker vervollständigten der Chor der Sächsischen Staatsoper sowie, geleitet vom Frauenkirchenkantor Matthias Grünert, der Kammerchor der Frauenkirche.

Das Programm umfaßte Stücke aus Oratorien und Messen wie Felix Mendelssohn Bartholdys »Paulus« (»Herr! Der Du bist Gott« sowie die Ouvertüre) oder Giacomo Puccinis »Messa di Gloria« (»Gloria – Et in terra pax – Laudamus te Gratias agimus tibi«), aber auch Robert Schumanns »Weihnachtslied« in einer Bearbeitung für Orchester von Joachim Draheim.

Der Kammerchor der Frauenkirche, stellvertretend für die reichhaltige und blühenden mitteldeutsche Chortradition, sorgte mit Hans Leo Haßlers »Verbum caro factum est« und Edvard Griegs »Ave maris stella« für besonders andächtige Momente. Aber auch die Zusammenarbeit Pablo Heras-Casados mit der Staatskapelle geriet offenbar von Beginn glänzend. Nicht nur, daß er das Orchester zur Bestform führte, hielt er stets die Balance mit den Sängern – ob es nun die Solisten waren oder der Staatsopernchor. Auf diesem Fundament durften dann Elīna Garanča, Christiane Karg und Yosep Kang strahlen. Besonders anrührend sicherlich Elīna Garanča in George Bizets »Agnus dei« und – ein Ausflug in die Oper – Pietro Mascagnis »Regina coeli laetare« (aus »Cavalleria rusticana«). Ebenso Christiane Karg, deren Sopran hell und durchscheinend Hoffnung verstrahlte, in Mozarts »Vesperae solennes de Confessore« und »Krönungsmesse« ebenso wie in Schumanns »Weihnachtslied«. Als glückliche Fügung erwies sich der kurzfristig eingesprungene Yosep Kang. An der Deutschen Oper Berlin zu Hause und an der Semperoper schon oft Gast, überzeugte er besonders mit seinem geschmeidigem Tenor und hervorragender Verständlichkeit. Er trug mit »Adeste fideles« den einzigen »Hit« vor, das aber hervorragend. Ganz offensichtlich heimisch fühlte er sich bei Puccini.

Das festliche Adventskonzert in der Frauenkirche war vor allem eines – ein Fest der Sänger und Chöre. Mit Mozarts »Dona nobis pacem« aus der »Krönungsmesse« ging der Abend mit allen Solisten und einem Friedenswunsch zu Ende. Noch schöner wäre es (vielleicht, wenn das ZDF eine viertel Stunde mehr Sendezeit zugibt?), das Programm, zum Beispiel um den regionalen Bezug zu Dresden bzw. Mitteldeutschland zu vertiefen, etwas erweitert werden könnte. Die Konzertbesucher würde es freuen!

30. November 2014, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s