Musikalische Begegnungen in der Heinrich-Schütz-Kapelle des Residenzschlosses Dresden

Vielleicht war der eine oder andere ob der Programmzusammenstellung überrascht – ein Komponist wie Jan Dismas Zelenka und der Ort hätten gerade an diesem Tag etwas anderes erwarten lassen können. Für das erste Kammerkonzert hatte sich die Dresdner Philharmonie diesen neuen Ort ausgesucht und ein Programm zusammengestellt, dessen Rahmen eher lose war und mit »Begegnungen« treffend beschrieben wäre. Die Begegnungen der und mit der Musik stellten dem böhmischen »Kirchen-Compositeur« kontrastierende Werke des zwanzigsten Jahrhunderts gegenüber. Doch war dies nicht eine zeitliche Brücke allein, denn auch die modernen Stücke von Hindemith, Schostakowitsch und Osborne unterschieden sich in Wesen und Charakter.

Als »Rahmen« bzw. »Brückenpfeiler« dienten die Triosonaten Nr. 1 und 4 für zwei Oboen, Fagott und Basso continuo Jan Dismas Zelenkas. Werke, die heute im Fundus der sächsischen Landesbibliothek verwahrt werden, der sich immer wieder als reichhaltiger Brunnen der Musikliteratur erweist. Der Struktur nach Kirchensonaten (Satzfolge langsam – schnell – langsam – schnell), beeindrucken die Stücke vor allem mit Einfallsreichtum und Meisterschaft in der Komposition. Die Meisterschaft der Ausführung stand dem aber um nichts nach. Die Oboe – oft nicht nur mit der menschlichen Stimme verglichen, sondern ihr gleichgestellt – ist wie wenige Instrumente geeignet, Musik im wahrsten Sinne des Wortes Leben einzuhauchen. Undine Röhner-Stolle und Johannes Pfeiffer konnten, ganz ohne vordergründiges Virtuosentum, dieses Leben erwecken und beeindruckten mit ihrem glasklaren Spiel. Die Sonaten geben aber nicht nur dem virtuosen, sondern auch dem sanglichen Element Raum und spielen mit kontrapunktischen Elementen, alten Stilmitteln sowie neuen Ideen und sind von ungeheurer Lebendigkeit. Das zeigt aber auch: schon in der damalige Hofkapelle muß es glänzende Oboisten gegeben haben, sonst hätte Zelenka diese Stücke gar nicht geschrieben.

Während die Fagottstimme in der 1. Sonate noch nahe am Begleitbaß bleibt, emanzipierte Zelenka sie in der 4. schon deutlich. Fagottist Philipp Zeller hatte darüber hinaus aber vor allem mit Willson Osbornes »Rhapsodie« Gelegenheit, die Schönheit und Eleganz seines Instrumentes vorzuführen. Ruhig, beinahe andächtig und intonationssicher gestaltete er den erzählerischen, eben rhapsodischen, Ton des Werkes.

Im Mittelteil des Konzertes rückten auch die Spieler des Basso continuo ins gestalterische Zentrum. Paul Hindemiths Sonate für Kontrabaß (Benedikt Hübner) und Klavier (Andreas Hecker, bei Zelenka am Cembalo) ist eine jener Kompositionen, die im Gegensatz zu manch anderem Werk nicht nach dem »so-wie-Prinzip« aufgebaut sind, die also beweisen wollen, daß ein Kontrabaß virtuos wie ein Violoncello sein kann (ähnliches wird manches Mal der Viola im Verhältnis zur Violine angetan). Und mit Dmitri Schostakowitschs launigem „Adagio und Frühlingswalzer“ aus der Ballettsuite Nr. 2 für Violoncello (Alexander Will) und Klavier führte die musikalische Begegnung vor der Pause sogar noch bis zum Jazz – Unterhaltung im besten Sinne.

20. November 2014, Wolfram Quellmalz

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