Liederabend mit Thomas Hampson – (K)ein bunter Strauss

Das gleich vorweg: mit seinen glanzvollen Auftritten in Dresden hat Thomas Hampson das Gerede vom »nahenden Alter« (hoffentlich) zum Verstummen gebracht. Mag sein, daß er Anfang des Jahres, nach einem langen Winter, stimmlich nicht auf der gewohnten Höhe gewesen ist, spätestens jetzt kann man feststellen: alles in Ordnung, Thomas Hampson ist kraftvoll und ausdrucksstark wie eh und je. (Man muß aber auch fragen, weshalb er, dem die stimmliche Indisponiertheit klargewesen sein muß, die jetzt von manchem Kritiker bemängelte CD-Aufnahme nicht verschoben hat.)

Am Dienstag jedenfalls gestaltete das Duo Hampson-Rieger einen traumhaften Richard-Strauss-Liederabend. Die Werkauswahl folgte – wie es Strauss selbst bevorzugt hat – keinem Zyklus, sondern war aus verschiedenen Opuszahlen zusammengesetzt. Bekannte und weniger bekannte waren ausgewogen komponiert, wobei die ganz bekannten rar gewesen sind und nicht dominierten. Satt also die Zwischenräume vor und nach Höhepunkten zu füllen, nahmen Wolfram Rieger und Thomas Hampson ihre Zuhörer an die Hand und führten sie durch den Abend – das verleitete zum aufmerksamen Zuhören!

Von den »Himmelsboten« ging es zunächst zur »Heimlichen Aufforderung«, schelmisch, lustvoll (aber nicht gierig) gestaltete Thomas Hampson und schon jetzt war jeder orientiert über das Befinden der beiden Künstler – es war glänzend. In der ersten Konzerthälfte hielt Thomas Hampson die Stimmung stets in der Schwebe, Aufbruch und Hoffnung waren bestimmend, auch dann, wenn es melancholisch wurde. Trotz Winterreisestimmung in »Sehnsucht« war da kein Aufgeben oder Verzagen, und so endete der Teil mit »Morgen« in der Zuversicht, daß in der Zukunft auf jeden Fall etwas kommen wird, auch dann, wenn etwas anderes dafür unwiederbringlich vorbei oder verloren sein sollte.

Dieses Versprechen hielt auch nach der Pause. Mit dem ausladenden und düsteren »Notturno« ging es zunächst weiter, dieses eine Mal erweiterte sich der Kreis mit Yamei Yu (Violine). Thomas Hampson sang den Text Richard Dehmels, eine Ballade beinahe, die von Vergänglichkeit, Einsamkeit und Angst erzählt, aber auch vom Glück der Jugend und des Lebens, beklemmend, und auch hier schwebte stets die Hoffnung mit.

Nach diesem ausladendsten Stück gab es mit »Vom künftigen Alter«, »Und dann nicht mehr« und »Im Sonnenschein« drei Lieder einer Werkfolge aus einem Opus, das einzige Mal an diesem Abend.

Während die Stücke stets vom Hoffnungsgedanken getragen waren, bauten Thomas Hampson und Wolfram Rieger in gestalterischer Hinsicht nicht auf Hoffnung, sondern auf eine glasklare Diktion, wahre Hingabe, eine prachtvoll-orchestrale Klavierbegleitung und eine freie und gegenseitige Gestaltung.

Thomas Hampson bedankte sich mit herzlichen und heiteren Worten noch einmal beim Publikum und gab seiner Freude über diesen Abend und die Dresdner Arabella-Aufführung Ausdruck. Wie schön, daß er sich auch danach treu blieb und als Zugabe auf die berühmte »Zueignung« verzichtet hat. Statt dessen gab es »Rosenband« und »Ach weh mir unglückhaftem Mann». Letzterem schien Thomas Hampson mit erhobenem Zeigefinger noch etwas hinzufügen zu wollen. Doch – nein, dem war nichts hinzuzufügen, außer der schelmischen Geste.

19. November 2014, Wolfram Quellmalz

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