Leuchtende Farben, blinkendes Gold: 3. Sinfoniekonzert der Mittelsächsischen Philharmonie

Mit »Paris« hatte Dirigent Raoul Grüneis dem Abend einen thematischen Hintergrund gegeben, dessen Tableau viele Anknüpfungspunkte für Stücke und Interpretationen eröffnete. Reichhaltig ist die französische Musikgeschichte und schließt nicht nur Meister wie Rameau, Couperin oder Saint-Saēns ein, sondern auch solche, die sich als Gäste in die Stadt an der Seine locken oder von ihr inspirieren ließen.

Mit der Suite op. 80 aus »Pelléas et Mélisande« stand zunächst ein oft als »impressionistisch« bezeichnetes Werk auf dem Programm. In der Melodie eher »kindereinfach« (Raoul Grüneis), kommt es hier darauf an, Farben und Schattierungen herauszuarbeiten, also genau das, was wir als »impressionistisch« empfinden. So fällt das Stück weniger durch Virtuosität oder besondere Motive der Bläser auf, sondern dadurch, daß Motive der einen von anderen Instrumentengruppen übernommen werden. Was Streicher oder Trompete vorgeben, führen meist die Holzbläser weiter, gestalten den Klang – färben ihn. Raoul Grüneis hatte deshalb vor allem auf diese Ausgestaltung Gewicht gelegt, die Instrumente aufeinander abgestimmt, mit kräftigeren Bläsern, als man dies vielleicht gewohnt ist, was aber gerade den französischen Charakter betonte. Die Geschichte von »Pelléas et Mélisande« (die unglückliche und tragisch endende Dreiecksgeschichte von Golaud, seinem Bruder Pelléas und dem Mädchen Mélisande) deutet und kündigt vieles nur an, läßt es offen, läßt sich psychologisch ausdeuten. Das Orchester ließ die Farben zu diesem Stoff prächtig leuchten und schuf passend einen luftigen, leichten, beinahe flüchtigen Klang.

Weiter ging die Reise um circa 35 Jahre durch Paris zu Jacques Iberts Flötenkonzert. Da in hervorragenden Orchestern immer auch ebensolche Solisten sitzen, hatte sich die Mittelsächsische Philharmonie diesmal keinen Gast eingeladen, sondern ihrem Soloflötisten Sören Glaser diese Rolle überlassen. Neben der impressionistischen ist das virtuose Element ein weiteres typisches Charakteristikum französischer Musik, die Flöte der Inbegriff desselben. Iberts Flötenkonzert gehört zu den technisch anspruchsvollsten, doch spielte Sören Glaser dies mit Leichtigkeit. Kaum eine Pause gibt es da, wenn die Flöte geschwind, träumerisch und expressiv die drei Sätze durcheilt. Doch nicht Eile war hier vorherrschend, sondern Esprit.

Den Abschluß bildete eine Sinfonie Wolfgang Amadeus Mozarts. Nach der »Linzer« in der vergangenen Saison war es diesmal – natürlich – die »Pariser« (D-Dur, KV 297), auch wenn sie gemäß Raoul Grüneis ebensogut »Mannheimer« genannt werden könnte, denn mit den Erfahrungen der dortigen Hofkapelle hatte Mozart das Stück geschrieben. In Paris mit einem riesigen Orchester aufgeführt (55 Musiker, das Köchelverzeichnis nennt weniger als die Hälfte), hatte das Werk dort nur mäßigen Erfolg, was wohl neben den Publikumsgewohnheiten auch an der Aufführungsqualität gelegen haben mag. Ja, da hätten die Pariser eben nach Freiberg oder Döbeln kommen sollen! Denn den impressionistischen Farben vom Beginn des Abends fügte das Orchester nun noch (in normaler, mittlerer Besetzungsstärke) funkelndes Gold hinzu.

Kein Wunder, ließ sich das Publikum sehr begeistern und das Orchester nicht lange bitten. Mit Ravels »Pavane pour une infante défunte« und der »Habanera« aus Bizets Carmen-Suite klang der Abend aus. Schade nur, daß der Weg bis zum nächsten Pariser Café so weit war!

14. November 2014, Wolfram Quellmalz

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