Eröffnungskonzert des Heinrich-Schütz-Festes

Bad Köstritz, Dresden und Weißenfels heißen drei der wichtigsten Lebensstationen Heinrich Schütz‘ in Deutschland. In den drei Städten findet alljährlich im Oktober das Heinrich-Schütz-Fest statt. Am 11. Oktober war das Festkonzert zur Eröffnung in der Landeshauptstadt Dresden zu erleben. Wieder einmal in der Annenkirche, die schon so viele hochwertige musikalische Gäste beherbergte.

Ars Nova Copenhagen sind die »Artist in residence« in diesem Jahrgang und gestalteten den Auftakt des Festes 2014. Selbstredend standen Werke Heinrich Schütz‘ im Mittelpunkt ihres Programmes, welches sie noch um drei Werke eines anonymen Komponisten sowie Marco Uccelinis und Giovanni Gabrielis erweiterten.

Schütz hat in seinem Leben Hoch- und Tiefzeiten der erlebt, die Blüte eines Hofes ebenso wie den Dreißigjährigen Krieg. Dies wirkte sich auch auf den Alltag der kirchlichen und höfischen Musikpraxis auf, an den Schütz ja gebunden war. Und so finden sich in seinem Schaffen ganz unterschiedliche Werke, von prachtvollen Konzerten und Chören bis zu einfachen Stücken für wenige Stimmen solo oder mit einer schlichten Baßbegleitung. Daß er den Situationen Rechnung zu tragen vermochte und gleichzeitig sein kreativer Funke trotzdem nie verlosch kennzeichnet ihn als einen der größten Meister seines Faches. Ars Nova Copenhagen hatten für die festliche Eröffnung vor allem prachtvolle Stücke ausgewählt, was naheliegend und verständlich war.

Trotzdem spielten sie in allen Formationen: mit sechzehn Sängern in einem oder mehrstimmigen Chören und mit altem Instrumentarium. Strahlkraft und Pracht vermittelten vor allem jene Stücke, denen Zink oder Barockposaunen alten Glanz verliehen (Schütz: »Herr unser Herrscher« SWV 27, Anonymus: »Jauchzet dem Herren«, Schütz: »Meine Seele erhebet den Herrn« SWV 494). Und »Saul, was verfolgst du mich?« SWV 415 geriet zum Singspiel, in dem der Verfolgte bebend zürnte. So ließ sich dann doch an der einen oder anderen Stelle der Applaus vor dem Ende des Programmes nicht zurückhalten, trotz eines disziplinierten Publikums. Gerade in der Großartigkeit und Pracht, die aus Entfaltung erstand und kein Jubelgeschrei war, zeigte sich die hohe Qualität des dänischen Ensembles und seines Chores. Jedoch nicht nur hier, denn auch die kleineren Besetzungen vermochten zu begeistern, vor allem Altist Daniel Carlsson berührte die Seele.

Schön war auch die Programmgestaltung des Abends. Pausen in einer Kirche passen meistens nicht so recht. Getränke und Häppchen sind fehl am Platze, doch will man den Musikern, vor allem den Sängern, auch etwas Zeit geben, Luft zu schöpfen. Ars Nova Copenhagen fügte daher zwei Interludien ein, die als rein instrumentale Unterbrechung des Ablaufes musiziert wurden. Besonders schön gelang aber auch die Kombination der Psalmen 111 (»Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen«) und 122 (»Ich freue mich des, das mir geredet ist«) in der Vertonung Heinrich Schütz‘. Dem Dank folgt eine Steigerung, die beim »Ehre sei dem Vater…« (111) von den Posaunen unterstrichen wird, wonach sich die Stimmung von tiefer und inniger Dankbarkeit zu befreiender Freude wandelte. Befreiung, Freude und Dankbarkeit dürften auf viele der Konzertbesucher empfunden haben.

Das Heinrich Schütz Fest in Bad Köstritz, Dresden und Weißenfels findet noch bis zum Sonntag kommender Woche (19. Oktober) statt.

12. Oktober 2014, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s